Sepia für den Mann

Synthetisches Arzneimittelbild des Sepia-Mannes

DD:
weich: berb, carc, gels, hyos, puls, nat-m, nat-sulf, nat-phos, phos-ac, staph
hart: lyc, nux-v, plat, verat-alb

Essenz

  • Ablehnung der Wurzeln im eigenen Geschlecht
  • Grundgefühl: ich bin Scheiße, weniger wert (vor allem das andere Geschlecht denke dies); man habe keine Chance auf Liebe/Anerkennung weil man ein Mann/(eine Frau) sei → dadurch oft Kompensation, will lieber weiblich/eine Frau sein, Verneinung männlicher Eigenschaften
  • Ätiologie
    • Nichtachtung des Vaters durch die Mutter
    • Verletzungen durch Männer

Erscheinung

  • (weiche Männer, Softies) mit einem Reaktionsmuster von Härte und reflexartiger Selbstverteidigung, <q>Waschlappen</q> (Morrison)
  • überkreuzt die Beine (Schutzgeste; steht systemisch nur auf einem Bein)
  • trägt eher weiche Kleidung
  • blitzender Blick (das kann erotisch herausfordernd wirken)

Gemüt

  • Ablehnung der eigenen und fremden Männlichkeit
    • Ablehnung des eigenen Vaters
    • Abneigung gegen männliches Gebaren
    • Abneigung gegen eigene männlichen Körpermerkmale (z.B. Behaarung)
    • Abneigung gegen männliche Rollenanforderungen (Versorger, Oberhaupt sein)
    • Wunsch, eine Frau zu sein oder in Frauenrolle zu leben
    • fühlt sich nicht gewürdigt
  • Abneigung gegen Sepia-Frauen bis zum Hass (er fühlt sich durch sie direkt angegriffen und ihm begegnet in ihr der Mann in der Frau)
  • Hochmut: die anderen wollen mich noch mehr erniedrigen, diese Blöße gebe ich mir vor ihnen nicht
  • scheinbare Arroganz: wirkt stark und schweigt
    (innerlich erlebt er sich dabei aber ängstlich und schwach, er schweigt aus Unsicherheit)
  • tut Dinge gegen seinen Willen, lässt sich auf faule Kompromisse ein
    • paradoxes Symptom: heftige verbale Attacken ABER defensives Handeln
    • erträgt keinen Stress (weil er schon völlig überlastet ist und nicht sehr belastungsfähig)
  • nörgelt, stichelt, klagt und bemitleidet sich selbst
  • verbales Giftspritzen
    • sarkastische schneidende Bemerkungen, oft gefolgt von Reue; der Patient besitzt eine feine Intuition für die Schwächen anderer (Morrison)
    • Angriff und sofortiger Rückzug, bleibt nicht in der Auseinandersetzung, bricht Streit vom Zaun und verschwindet
    • der Angriff erfolgt so schnell, dass er sich selbst verwundert beim Sprechen zuhört (die Reue wird aber verdrängt)
  • schlaffe Konstitution
    • braucht unbedingt seine Pausen (Mittagsschlaf); erträgt keinen Stress/ Druck
    • drückt sich vor der Auseinandersetzung, Fluchtreaktionen; Träume von sich verstecken
    • Vermeidungshandlungen, tut lieber eine andere Arbeit als die aufgetragene
    • reizbar
  • früh vernünftig und erwachsen (erfüllt Erwartungen)
  • möchte sich selbst ausdrücken
    • tanz gern, möchte etwas Kreatives tun, liebt Gewitter
  • starke Sexualität, aber voller Angst und Misstrauen dass sie angenommen wird und gelebt werden kann
  • fühlt sich emotional und körperlich unwohl in seiner eigenen Haut, ohne dass er einen Grund oder Auslöser dafür angeben könne
  • Ängste
    • Angst vor Flamenco-Tänzerinnen (sie wollten ihm mit den Kastagnetten die Hoden abbeißen = Wahnidee, immer auf der Abschussliste zu stehen)
    • vor Ablehnung der eigenen sexuellen Bedürfnisse
    • vor Auseinandersetzungen mit scharfzüngigen Sepia-Frauen
    • vor Konkurrenzsituationen mit <q>richtigen</q> Männern

Körper

  • fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, ungemütliches Körpergefühl, nicht eins mit sich selbst
  • überempfindlich gegen äußere Reize, besonders Geräusche und Musik
  • bewegt sich wie ein Tintenfisch, zum Beispiel beim Tanzen, fließende Bewegungen
  • schlaffes Bindegewebe
  • Glatze (Smits)
  • unadäquate Abwehrreaktionen der Haut:
    • Hautprobleme, Ekzeme, Kopfschuppen (sich seiner Haut wehren, abgrenzen)
    • Akne, Asthma
  • Niednägel, brüchige Nägel, weiße Flecken
  • Jucken der Genitalien
  • Wurmerkrankungen (wehrt sich nicht)
  • Verlangen: Schokolade (Liebesersatz)

Heilungsphasen

1. Schlaffe Phase (Vollbild des Krankheitszustandes)

  • Ihm fehlt das innere Skelett (das Eingebundensein in die Kraft der Männer), er fühlt sich deshalb Auseinandersetzungen nicht gewachsen und ständig angegriffen.
  • Lebt in fremdbestimmten Rhythmus und ist deswegen ständig überfordert, kann nicht über seine eigenen Grenzen verfügen.
  • Tut Dinge in vorauseilender Verantwortung gegen seinen Willen, bemerkt dies jedoch erst hinterher.
  • Stiller Ärger darüber, schimpft vor anderen aber stellt sich nicht der direkten Auseinandersetzung, Rachephantasien.

Therapeutische Begleitung:

  • Braucht einen geschützten Raum, um sich auszudrücken und muss Vertrauen und Verständnis spüren; nicht seine Grenzen überschreiten (er flüchtet sonst und kommt nicht mehr wieder)
  • Die eigenen Gefühle/den eigenen Rhythmus wahrnehmen; sich selbst kennen lernen
  • Erlebnisse schaffen, in denen er sich als Mann positiv fühlen kann: Familienaufstellungen

 

2. Überschießende Abgrenzung (Beginn der Heilung)

  • Grenzt sich vorbeugend mit großer Härte von allem ab, was nicht zu ihm zu passen scheint; schießt jedem mit verbalen Attacken vor den Bug; lässt sich auf nichts und niemand mehr ein.
  • Diese Phase ist nötig, um erst einmal den eigenen Raum abzustecken, aber Sepia ist in diesem Zustand kaum beziehungsfähig!
  • Viele Patienten bleiben in dieser Heilungsphase stecken!

Therapeutische Begleitung:

  • Welche Wirkung hat sein Verhalten auf andere, welche Gefühle erzeugt er in ihnen?
  • Kritische Reflexion seines alten Frauen- und Männerbildes, den Blick schärfen für Beziehungen zwischen Mann und Frau, die lustvoll und gut gelingen
  • Üben und erarbeiten von anderen Formen der Abgrenzung, die auch den anderen in seiner Würde belassen
  • Erkennen der alten automatisch ablaufenden Verteidigungsmuster
  • Ätiologie klären und ins Bewusstsein heben
  • Wie kann ich mein Leben einrichten, damit ich mich wohl fühle, woran erkenne ich, ob ich mich wohl fühle oder ob es nicht stimmt; Klarheit erwerben und ausdrücken

 

3. Heilung, Integration

  • Fähig, rechtzeitig seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu signalisieren, große Klarheit vor sich und anderen; keine faulen Kompromisse bei denen ungute Gefühle bleiben
  • Reflektierte Abgrenzung statt reflexartiger Abwehrangriffe
  • Muss sich nicht mehr in jede Grundsatzdiskussion über Frauen und Männer hineinziehen lassen ? stilles inneres Wissen, dass die Dinge anders sind und Verständnis für Menschen, die <q>in ihrem eigenen Film</q> sind
  • Großes Gespür für Grenzen und Grenzverletzung
  • Großes Gespür dafür, wenn andere unter Druck geraten ? deshalb große Rücksicht und Verständnis, wenn er von anderen eine Entscheidung erwart, ihnen den nötigen Raum zur Entscheidung zu lassen
  • Akzeptanz und Liebe seiner Männer-Rolle; in sich selbst zu Hause ? dadurch toleranter und in sich ruhend; nun kann er auch wieder Dinge für andere tun die ihm nicht ganz entsprechen, ohne sich entwürdigt fühlen zu müssen
  • In Kontakt und Liebe zu seiner inneren Quelle als Mann. Ein erlöster Sepia-Mann setzt sich für das Selbst sein dürfen der Frauen ein, und eine erlöste Sepia Frau für das Selbst sein dürfen des Mannes.
  • Güte

Olaf Posdzech, September 1999, 2006

Da in der letzten Ausgabe Sepia ausführlich behandelt wurde, gehe ich nicht mehr auf das bekannte Arzneimittelbild ein. Ich berichte hier von meinen Erfahrungen, Erlebnissen und Einsichten, die ich im letzten Jahr als Mann mit Sepia hatte.

Der Untertitel dieses Artikels erschien mir sehr wichtig. Zur Wasserfrau kam ich, weil es mir auf den Ausgleich zwischen männlichen und weiblichen Kräften ankam. Ausgleich - ein Stichwort, das mir als zentrales Thema dieses Mittels im Zusammenhang mit Männern bewußt wurde. Und das Wasserzeitalter als ein Stichwort für Bewußtwerdung, die wir dringend brauchen, und die angeblich ein Grundthema für die nächste Zeitepoche ist. Bewußtwerdung, Ausgleich und Benutzen der Anima-Kräfte beim Mann - wie sollte es auch anders sein bei Sepia. Erst einmal eine gewagte Behauptung - aber ich erzähle einfach meine Erfahrungen.

Sepia begegnete mir gleich am Anfang meiner homöopathischen Laufbahn, als ich im ersten Jahr auf der selbstverwalteten Heilpraktikerschule in Berlin Astrologieunterricht bei einer sehr interessanten Lehrerin hatte. Sie arbeitete schwerpunktmäßig mit der Astrologie von Liz Greene, einer Astrologin und jungianischen Analytikerin aus England, die diese beiden Gebiete miteinander verbindet. Ganz ausgeprägt bei dieser Schule ist die Animus-Anima-Lehre nach C.G. Jung. Sie besagt, daß in allen Menschen, gleichgültig ob Mann oder Frau, männliche und weibliche Kräfte wirken. Was das jeweilige Geschlecht ausmacht, ist hierbei der bewußte Umgang mit der geschlechtsspezifischen Kraft. Die komplementäre Energie ist wichtiger Bestandteil der menschlichen Psyche. Ohne sie wäre keine Spannung, kein Ausgleich und keine Beziehungsfähigkeit möglich. Wie in der asiatischen Lebens-anschauung besteht das Leben aus diesen beiden Kräften: Yin (weiblich) und Yang (männlich). Das eine entsteht aus dem anderen - würde man sie trennen, wäre keine Wandlung mehr möglich. Der Mensch bzw. die Psyche wären tot. Das heißt, wenn wir von der Anima reden, reden wir nicht gleich über Frauen, sondern über die weibliche Yin-Kraft, die Frauen bewußt und Männer unbewußt leben. Es geschieht oft irrtümlich, daß die Anima mit der Frau identifiziert wird. Irrtümer, die z.B. auch in der Homöopathie auftreten, wenn von sogenannten "Frauenmitteln" oder "Männer-mitteln" die Rede ist, wobei die Frauen schon lange die angeblich männlichen Mittel in Anspruch nehmen.

Die Qualitäten der Anima werden mit dem emotionalen Bereich, der Intuition und der Vision, sowie dem bildhaften zirkulären Denken definiert. Der Animus denkt linear und gehört dem Bereich des Logos an. Der Mann lebt seine weiblichen Anteile (Mond und Venus im Horoskop) hauptsächlich über seine Beziehungen zu Frauen und umgekehrt (1). Da die weiblichen Anteile beim Mann vornehmlich im Unbewußten schlummern, besteht die Gefahr, diese ausschließlich auf Frauen zu projizieren und sich damit von den eigenen Anteilen dieser Anima-Kräfte regelrecht abzuschneiden. In einem ihrer Bücher geht Liz Greene auch auf die mythologische Ent-stehungsgeschichte dieser weiblichen und männlichen Kräfte ein (1). Interessant ist hier der Zusammenhang zwischen beiden Kräften. Das männliche Prinzip entsteht aus dem weiblichen und umgekehrt.

Uranos, der Urgöttervater, wird von seinem Sohn Kronos (= Saturn) entmachtet (dieser später von Zeus). Dabei entmannt Kronos seinen Vater zum Zeichen für dessen Machtverlust. Das abgetrennte Geschlechtsteil fällt ins Meer, und aus den sich bildenden Schaumwirbeln entsteht Venus. Mars, das Symbol für die männliche Triebkraft, wird allein von Hera ohne Mitwirkung männlicher Kräfte geschaffen (aus sich selbst heraus). Hera ist die Muttergöttin des Olymp (2).

Nach anfänglicher Skepsis, besonders gegenüber der Animus-Anima-These, öffnete ich mich mehr und mehr dieser Idee. Skepsis deswegen, weil zu schnell der Rückschluß aufkommt (wenn man schwarz-weiß malt), daß bei homosexuellen Menschen dieses Kräfteverhältnis verschoben sei und damit Homosexualität durch ein Ungleichgewicht entstehe. Man muß nur bei Männern den Animus stärken (oder die Anima bei Frauen) und schon, wie auf Knopfdruck, wäre der Homosexuelle von seiner angeblichen "Krankheit" geheilt. Gott sei Dank ist dem nicht so! Wie jede Art der Liebe ist die gleich-geschlechtliche Beziehung ein absolut eigenständiger, spezieller und gesunder Impuls auf dieser Welt. Unsere Welt ist bunt, und Animus und Anima können für Mann und Frau auf viele Arten lebbar, erfahrbar und erfüllbar sein (3). Wie ein Mensch in seiner Mitte steht, entscheidet über seine Gesundheit. Seinen Grad an Erlösung erkennt man daran, was er für seine Umgebung bedeutet, und wie er sich gegenüber Minderheiten verhält. Bei der Animus-Anima-These entscheidet die Idee über den Wert, und nicht das, was daraus gemacht wird, oder was der Impulsgeber, in diesem Fall C.G. Jung, für eine Moral hatte.
Ich arbeite auch mit Homoöpathie, obwohl ich die Biographie Hahnemanns kenne, oder benutze die Arzneimittellehre von Vithoulkas, obwohl er teilweise verachtende Thesen entwickelt, mit denen ich keineswegs einverstanden bin. "Prüfet! Und das Gute behaltet!"

Zurück zu meiner bereits erwähnten Astrologielehrerin. Sie war eine der ersten Frauen, die auf eine für mich sehr beeindruckende Art über Matriarchat, Anima-Kräfte, Göttinnen und eine sogenannte Einweihung in diese Kräfte sprach. So erzählte sie auch, daß diese Einweihung für Frauen über das homöopathische Mittel Sepia erfahrbar sei. Sie erzählte von der Herkunft des Mittels aus der Tintenfischtinte und der Analogie des Lebensraumes dieses Tieres - die Tiefen der Unterwasserwelt - zu dem tiefsten unterbewußten Wissen der Frau, die zu einer tiefen Einweihung in die Anima-Welten führt. Ich war fasziniert von dieser Idee, blieb aber als Mann erst einmal draußen. Als ich dann nach einem Jahr an die Hahnemann-Schule wechselte (wegen deren Schwerpunkt auf Homöopathie), übernahm ich zusammen mit einer Freundin ein Referat über das Matriarchat, als wir Sepia behandelten.

Ich war plötzlich mitten im Thema von Sepia und verstand langsam, daß dieses Thema auch für Männer wichtig ist. Von Anfang an war dieses Mittel auch für uns bestimmt. So wurde Sepia für die Homöopathie von einem männlichen Kunstmaler (Kreativität) entdeckt - ohne Männer kein Matriarchat (genauso umgekehrt) -, und nicht zuletzt wissen wir überhaupt nicht, ob die verschüttelte Tinte männlichen oder weiblichen Ursprungs ist. Und dies sind erst einmal die offensichtlichsten Gründe, die einen direkten Bezug zu Männern herstellen. So wurde mein Interesse immer größer, diesen Zusammenhang zu untersuchen. Ich wollte mich nicht länger mit dem von Herrn Vithoulkas und Frau Coulter entwickelten Bild eines unterdrückten Hausmannes oder eines unzufriedenen widernatürlichen Homosexuellen zufriedengeben, die "die Weiden auf der anderen Seite des Zaunes saftiger finden" (Originalzitat Coulter (4)).

Ich stellte mir zunächst die Frage, worum es bei Sepia eigentlich geht.

Themen

Da ich durch den Astrologieunterricht viel mit Mythen gearbeitet hatte, fiel mir zu diesen Themen die Geschichte der Gorgo Medusa ein. Medusa war ursprünglich eine sehr schöne Priesterin, die von dem Meeresgott Poseidon (Meeresgott = Unbewußtes, Triebhaftes; Symbol Dreizack) in einem Tempel der Göttin Athene vergewaltigt wurde. Durch diese Verletzung wurde Medusa zu dem Monster mit dem Schlangenhaupt (Symbol für die Rache der Frau). Wer sie ansah, erstarrte zu Stein. Schließlich wurde sie von Perseus, einem griechischen Helden, erlöst. Er schlug ihr den Kopf ab, und als Zeichen der Erlösung entstieg ihrem enthaupteten Körper das weiße, geflügelte Pferd Pegasos. Perseus wendete bei seinem Kampf eine List an: Um der Gefahr der Erstarrung zu entgehen, spiegelte er die Gestalt der Gegnerin in seinem Schild. (Bei meinen Sepia-Nachforschungen stieß ich auf das Bild griechischer Helden mit Schildern aus Tintenfischen - abgebildet auf antiken Vasen im Louvre.)

In diesem Mythos sind sämtliche Sepia-Thematiken enthalten. Ich neige mehr dazu, von einer Verletzung der Anima, als von einer Verletzung der Würde zu sprechen. Medusa ist nach dieser Verletzung verständlicherweise unnahbar und gefährlich. Sie sinnt nach Rache. Schließlich folgt die Erlösung durch die Animus-Gestalt des Perseus. Durch ein Sich-Spiegeln (Perseus spiegelt Medusa in seinem Schild) in die Tiefe seines Wesens wird schließlich die Erlösung möglich, das Monster bzw. die Rache werden erlöst, im Endeffekt die Verletzung verarbeitet. Als Symbol entsteigt das uns bekannte Sepia-Motiv, das Pferd, als Zeichen für die Bewältigung dieser Verletzung und dadurch das Verständnis für die eigene triebhafte Natur; es vollzieht sich der Wandel zur gesunden Sinnlichkeit. Die dunkle Seite kann nicht vernichtet werden. Sie muß umgewandelt werden durch Reflektion und Bewußtwerdung. Bezogen auf den Mann sehen wir in Perseus den Animus, der durch eine übermächtige, verletzte Anima bedroht wird. Alles Lebendige, was sie anstarrt, versteinert und wird leblos. Forschen wir in der Mythologie nach Perseus' Herkunft, ergibt sich folgendes:
Perseus wurde von seiner Mutter ohne Vater großgezogen (Sein Vater, Zeus, war als Göttervater abwesend auf dem Olymp). Sein Großvater, ein König, verstieß Mutter und Sohn, da ihm prophezeit wurde, daß ihn sein Enkel töten würde. Mutter und Sohn wurden in eine Art Holztruhe gesperrt und auf dem Meer ausgesetzt. Diesmal ist der Meeresgott Poseidon wohlgesinnt und sorgt für die Rettung der beiden. Eine Art Wiedergutmachung seiner Tat (Vergewaltigung der Medusa) - er trägt damit auch zu der Erlösung der Gorgo bei.

Dieser Sachverhalt ist vielleicht ein Hinweis auf Männer, die ohne Kontakt zu Vater und Großvater von der Mutter großgezogen werden, und deshalb Schwierigkeiten haben, ihren Animus zu entwickeln. Die Rolle der Mutter ist zu stark, und die Anima kann unter Umständen als zu bedrohlich erlebt werden.

Zurück zu meiner persönlichen Sepia-Erfahrung. Ich entschloß mich, mit der Begleitung einer guten Freundin Sepia zu prüfen, da Aspekte wie Mangel an Bauch, Unnahbarkeit und Anima-Aufarbeitung mir wichtige Themen waren. Ich nahm Sepia über ein Jahr lang von der C30, C200, C1000 zur C10000 und machte eine Prüfung mit ein paar Männern, von der ich im folgenden berichte.

Die erste große Erfahrung war der Bauch. Ich fühlte meinen Bauch so stark und machtvoll wie nie zuvor. Ich bekam ein großes Bedürfnis nach Zärtlichkeit und sehnte mich nach einem Bauch zum Kuscheln. Nach längerer Zeit begann ich mich wieder zu verlieben und den Bauch zu leben. Eine Freundin erzählte mir einen Traum, der mich sehr beeindruckte. Sie lag auf einem Rollbrett und hatte keinen Rumpf. Sie bestand nur aus Kopf und Gliedmaßen. In ihrer damaligen Problematik half dann auch ihr Sepia weiter.

Meine wichtigsten Träume in dieser Zeit:

1."Ich befinde mich in einer dunklen Kammer und weiß, daß überall Ratten versteckt sind und mir auflauern (Sepia hat Angst vor Ratten). Ich habe schwere Stiefel an, mit denen ich sie zertreten will, denn es geht ums Überleben. Ich rufe sie auf, sich zum Kampf zu stellen."

2."Ich sehe, wie eine weiße Lilie langsam vor mir aufblüht."

3."Ich laufe mit einem Pferd untergehakt und streichle es. Es läuft auf zwei Beinen und küßt mich."

4."Wiederholte Träume von Aufräumen in großen neuen Zimmern, in denen es ein großes Durcheinander gibt."

5."Mein Vater baut einen neuen Swimming-pool (Gefühle) in seinem Garten. Er hat das alte Becken (Unterleib) abgerissen. Ich sehe den neuen Aushub und wundere mich, da ich denke, daß der alte gut genug war."

6."Ich fahre mit meiner Familie in den neuen Bundesländern im Auto. Dabei sind zwei schweineartig aussehende Pudel. Es kommt zu einem Unfall auf einer Brücke. Wir können uns samt Hunden retten, indem wir von der Brücke in einen Fluß springen. Wir schwimmen ans Ufer. Mein Vater trocknet einen Hund ab und ich den anderen. Mein Pudel blutet am Hals - aber nicht weiter gefährlich. Ich denke mir, daß ich sie jeden Tag spazieren führen werde."

Diese Träume sind alle sehr offensichtlich und treffen auch die Kernpunkte meiner Erfahrungen. Der Kampf mit den Ratten als Symbol für die Auseinandersetzung mit der dunklen, triebhaften Natur in einem ganz unterbewußten Teil (dunkle Kammer) meiner Psyche, der eine lange Zeit von mir abgelehnt wurde. Dann die angedeutete Integration dieser Kraft im Aufblühen einer Lilie (vielleicht Blüte des Sakral-Chakras) und die Begegnung mit dem Pferd (Symbol für Sinnlichkeit). Schließlich das Entdecken neuer Zimmer (Anteile und Ebenen in mir), in denen es noch viel zu tun gibt (Arbeit an sich selbst). Dann die Begegnung mit meinem Vater, der den Schlüssel zu meiner Animus-Kraft darstellt. In meiner Erziehung nahm mein Vater eine schwache Position ein, da ich in starkem Maße von einer übermächtigen Großmutter beansprucht wurde und so erst einmal eine schwache Animus-Prägung erlebte. Jetzt taucht mein Vater mit Sepia in Träumen auf und möchte an seinen Gefühlen arbeiten (Swimming-pool). Die schweineartigen Pudel wiederum als Symbol für die niederen, unbewußten, animalischen Triebe tragen eine Verletzung in sich (Pudel blutet am Hals; Hals steht für Selbstwert), aber die Verletzung ist nicht lebensgefährlich, und mir wird bewußt, daß es wichtig ist, mich mit dieser Geschichte auseinanderzusetzen (täglich spazieren gehen).

Diese erste Phase meiner Erlebnisse mit Sepia möchte ich als den konstitutionellen Teil des Sepia-Mannes bezeichnen. Diese Ebene ist auch die, welche wir in der Literatur sehr unglücklich beschrieben finden. Es handelt sich um die animus-schwächeren Männer, die eine starke Anima leben - entweder nach außen durch Beziehungen zu starken Frauen, oder nach innen, indem sie selbst eine starke Anima entwickeln. Der Animus wird in seiner Entwicklung geschwächt, z.B. durch fehlende männliche Vorbilder und damit erfährt der Mann oft eine überstarke Prägung durch die Anima. Dies betrifft Männer, die hauptsächlich von Frauen aufgezogen wurden oder deren Väter in der Erziehung eine schwache Position hatten. Auch eine als bedrohlich erlebte emotionale Erfahrung mit einer solchen überstarken Frauenfigur kann dazu führen (z.B. sexueller Mißbrauch in der Kindheit, der zwar bei Jungen durch Frauen seltener ist, den es aber dennoch gibt; in der Natur werden Sepia-Männchen übrigens oft durch Weibchen vergewaltigt (5)). Diese Männer fühlen sich hingezogen zu starken oder älteren, erfahrenen Frauen, oder sie fühlen sich auf der Suche nach dem Animus zu Männern hingezogen. Dies soll aber keine Wertung sein, und ich möchte an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, daß ein solcher Mann ebenso in seiner Kraft stehen kann und ein seelisch, geistig und sozial erfülltes Leben hat wie jeder animus-bewußte und anima-erlöste Mann (falls es so etwas überhaupt gibt). Sogar noch mehr; Impulse von solchen Männern haben eine vollkommen andere Qualität als Impulse von Männern, die diese Kräfte anders leben. Unser Leben soll und muß vielfältig sein, und alle Erfahrungen müssen möglich sein, um sich in seiner Entwicklung weiterzubringen.

Einen krankhaften Zustand eines solchen Mannes erkennt man an der uns bekannten Sepia-Pathologie. Es sind Männer, die Probleme mit ihrem Bauch haben. Sie haben Schwierigkeiten mit ihrem Gefühl und ihrer Sexualität.
Man erkennt sie an ihrer Unnahbarkeit und an dem Stolz, den sie ausstrahlen und den wir von Sepia-Frauen kennen. Sie können sehr kühl sein, und - was sehr wichtig ist - sie sind auch sehr wehrhaft. Es sind Männer, die keine Angst und Panik bekommen, wenn sie von starken Frauen oder sogar einem Frauen-Kollektiv angegriffen werden, sondern sie können sich sogar in ihrem Element fühlen, und der Kampf kann als Lust erlebt werden. Die Kehrseite davon wäre die Empfindung von Lust bei Demütigung durch Frauen, z.B. beim sexuellen Verkehr (Ein Prüfer erinnerte sich bei der Prüfung von Sepia an Träume in der Pubertät, in denen er beim gefesselten Sex mit einer Domina große Lust empfand.)
Diesen Männern kann Sepia helfen, ihren verletzten Bauch wiederzubeleben, und zurückzufinden zu ihrer Sinnlichkeit. Interessant ist im Zusammenhang mit Sexualität der Bezug Sepias zu den männlichen Geschlechtsorganen, wo es laut Arzneimittellehre ein wichtiges Mittel für Impotenz, Prostatitis und Entzündung der Samenbläschen ist. Darüberhinaus kann Sepia bei solchen Männern ein Bewußtsein dafür schaffen, sich wieder der Erfahrung zu öffnen, seinen "inneren Helden" zu suchen. Doch darauf werde ich später noch eingehen.

Dem zweiten Teil meiner Erfahrungen möchte ich das Thema geben: "Möglichkeiten neuer Erfahrungen durch bewußten Umgang mit den Anima-Kräften für Männer." Diese Phase begann im zweiten Halbjahr meiner Sepia-Prüfung.

Wir hatten an der Schule zu dieser Zeit Psychologie-Unterricht bei Frau Catterfeld-Richter, der mir einen weiteren tiefen Einblick in die Psychologie C.G.Jungs gab - speziell in den Umgang mit Träumen. Damals nahm ich Sepia C 10.000 und bemerkte, wie mich der Umgang mit der unbewußten Psyche zu fesseln begann. Es erstaunte mich zunächst, wie gut ich den Gedankengängen dieser Psychologie-Schule folgen konnte, weil ich zuvor nicht soviel von diesen Themen wissen wollte und sie mir immer ab einem gewissen Punkt verschlossen blieben (Sex).
Es war, als öffnete sich eine Türe hin zu einem neuen Bewußtsein. In der Realität sah dies so aus, daß ich es schon nach ein paar Unterrichtstagen verstand, Träume von mir und anderen spielerisch von allen Seiten zu betrachten (zusammen mit den Träumern). Mir und meiner Arbeit wurden dadurch vollkommen neue Perspektiven gegeben.

Eine Frau, die ich nur flüchtig kannte, rief mich an und wollte von mir behandelt werden. Sie war im 3. Monat schwanger und hatte seither unerträgliche Brustschmerzen, so daß sie vor Schmerzen weinen mußte. Da ich damals noch keine Prüfung hatte, lehnte ich eine homöopathische Behandlung ab. Als ich sie nach ihren Träumen fragte, erzählte sie mir einen Wiederholungstraum, welcher der Schlüssel zu ihren Problemen war. Sie träumte, daß sie ein Baby in den Armen hält, das sie nicht nähren kann. Obwohl das Thema in diesem Fall nicht schwer zu erkennen ist, wunderte ich mich später, mit welcher Selbstverständlichkeit mir ihre Problematik bewußt wurde und ich gleich mit ihr ein Gespräch begann. Ich ließ sie das Thema zeichnen und forderte sie auf, sich darüber klar zu werden, ob und wie sie ihrem Kind die Liebe geben kann, die es braucht. Eine Woche später erfuhr ich, daß die Schmerzen stark zurückgegangen waren. Ihr waren wichtige Dinge klar geworden. Meine erste Heilung ohne Kügelchen über eine Findung des Themas durch Träume.

Seit dieser Zeit ist für mich die Arbeit mit dem Unbewußten und mit Träumen kein Buch mit sieben Siegeln mehr und ein zentraler Punkt meines Lebens und meiner Arbeit geworden. Es entstand eine Verbindung mit einem tieferen Wissen in mir, das man sich nicht anlesen oder über Worte erfahren kann. Dieses Wissen muß man erleben! Für mich ist es ganz eindeutig, daß ich dieses Erlebnis Sepia zu verdanken habe. Also Sepia auch als ein Einweihungsmittel für Männer in die tiefsten Tiefen unseres Wesens. Sepia als Möglichkeit der Welt der Visionen zu begegnen, einer bestimmten Seelenqualität aller Menschen (Frauen und Männer), die der rechten Gehirnhälfte zugeordnet wird, wo der Sitz des bildhaften intuitiven Denkens ist. Sepia eröffnet Kräfte, die der Anima zugeschrieben werden und die gerade auch wir Männer brauchen, um mit diesen Qualitäten in Verbindung zu kommen - wichtig für eine Weiterentwicklung hin zur Ganzheit.
Wenn mich jemand nach einem Beispiel für einen bekannten Sepia-Mann fragen würde, so wäre meine Antwort ganz klar: C.G.Jung. Der Mann, der diese Kräfte und Qualitäten für die moderne Psychologie erschlossen hat.

Die dritte Phase meiner Sepia-Nachforschungen begann mit der Freundschaft zu Angela L., die an der Hahnemann-Schule ab dem nächsten Schuljahr mit Supervision und Traumreisen arbeiten wird. In Gesprächen und durch Buchempfehlungen von ihr eröffneten sich mir weitere Einblicke in das Reich der Animus-Anima-Theorie. In dem Buch "Die Psyche des Tarot" (7) befindet sich die Beschreibung der Tarotkarte "Die Kraft". Hier wird genau das Thema beschrieben, das ich mit Sepia in bezug auf Männer entwickelte. Ich werde im folgenden, teils im Originaltext, die Beschreibung der Tarotkarte wiedergeben. Auf dieser Karte ist eine Frau abgebildet, die einem Löwen das Maul öffnet, ohne mit ihm zu kämpfen. Auf dem Kopf trägt sie einen Hut, der die ewige Lemniskate darstellt.

Das Tarotspiel wird im Ganzen als ein Bewußtseinszyklus dargestellt. Eine Reise zur Individuation. Die Karte der Liebenden leitet diesen Zyklus ein mit der Findung der Ich-Identität. Der Prunkwagen als Findung des Bestimmungsortes in der Welt, die Auseinandersetzung mit Moralproblemen in der Gerechtigkeit, Suche nach spiritueller Einsicht im Einsiedler und schließlich am Ende des ersten Zyklus das Glücksrad, welches den Beginn einer neuen Bewußtheit einleitet. Mit dieser Umdrehung im Glücksrad erfährt der Held eine Revolution. Sein Interesse schwenkt um von außen nach innen. Kräfte, die früher hauptsächlich im Konkurrenz- und Überlebenskampf eingesetzt wurden, beginnen nun, sich auf Einheit und Weiterentwicklung zuzubewegen. Nach Problemen, die zur männlichen Seite des Lebens gehören, zur Seite des Logos, werden Grundfragen der triebhaften Natur Raum geben, die dem Bereich des Eros, dem weiblichen Prinzip, angehören. Nach Meinung der Autorin wird diese Wandlung auf der Karte der Stärke abgebildet. Sie bezeichnet die abgebildete Frau als die archetypische Anima, welche die unbewußte, weibliche Seite des Helden symbolisiert. Ihr Lemniskate-Hut erinnert an den Hut des Magiers - sie muß also Zauberkräfte besitzen. Sie braucht keinen Taktstock, wie der Magier. Ihre Kraft liegt in den Händen, mit denen sie furchtlos die Kiefer des Löwen festhält, womit sie darauf hinweist, daß ihre Magie menschlicher, persönlicher und direkter ist, als jene ihres männlichen Gegenstücks. Mit ihrer Hilfe wird der Held triebmäßige Kräfte in sich erschließen. Er wird lernen, die Kraft des Ego einer anderen Art der Stärke zu opfern. Sein männlicher Trieb wird durch eine mehr weibliche Einstellung gewandelt werden. Diese neue Handlungsweise ist sehr machtvoll und weit davon entfernt, weibisch zu sein. Diese furchtlose Anima-Gestalt existiert in einem tieferen Bereich der Psyche des jungen Mannes, der ihm selbst relativ unbekannt ist. Sie steht nicht unter der bewußten Kontrolle des Ich, so daß sie sich frei in seinen Träumen und Visionen bewegt. Sie wird es sein, die ihn mit den dunklen Wäldern seines Seins in Berührung bringt und mit den wilden Tieren, denen er dort begegnen wird. Sie wird ihm helfen, seine animalische Natur zu bezähmen, so daß er nicht länger gänzlich unter dieser Kraft steht.
C.G. Jung selbst behauptet, daß der Löwe die Gefahr symbolisiert, vom Unterbewußten verschlungen zu werden. Aniela Jaffé, eine jungianische Analytikerin, sagt folgendes (6):
"Der verdrängte und verwundete Instinkt ist die Gefahr des zivilisierten Menschen, die ungehemmte Triebhaftigkeit, diejenige des Primitiven. In beiden Fällen ist das Tier seiner eigentlichen Natur entfremdet, und für beide ist Bewußtmachung und Annehmen der Tierseele Voraussetzung zu einem voll gelebten Leben. Der eine hat das Tier in seiner Seele zu heilen und sich mit ihr zu befreunden, der andere muß es zähmen, um es zum hilfreichen Gefährten zu machen."

Ein Weg, mit dem Tier in uns selbst in Kontakt zu kommen, führt über unsere Träume. Vielleicht kommen unsere verwundeten und verlorenen Tierseelen in unseren Träumen zu uns, um menschliche Hilfe zu suchen (mein verwundeter Pudel).

Nachdem ich diese ganze Thematik erst einmal verarbeitet hatte, kann ich heute für mich sagen, daß Sepia ein sehr wichtiges Mittel ist, Männer bei diesen angesprochenen Prozessen zu begleiten. Für mich umschließt Sepia das zentrale Thema der Anima-Kräfte, ob bewußt bei der Frau oder unterbewußt beim Mann. Sepia bringt die Anima ins Lot - bei Frauen und Männern.

Interessanterweise meldete sich nach meinen Sepia-Erfahrungen der Animus in mir und forderte sein Recht in Form eines Buches. Ein Buch, das man jedem Mann empfehlen kann (der an sich arbeiten will), ist der "Eisenhans" (8). Der Autor sieht es als großes Übel unserer Zeit, daß die Männer nicht mehr mit ihren "wilden Energien" in Verbindung stehen und deswegen von der Quelle ihrer Kräfte getrennt leben. Verantwortlich macht er dafür hauptsächlich die an der Erziehung kaum beteiligten Väter und Großväter. Eine symbolische Schlüsselfigur für diese Kräfte findet er in dem Märchen der Gebrüder Grimm, dem Eisenhans.

Ich möchte hier nur ansatzweise auf diese Thematik eingehen, da ich noch am Anfang der Bearbeitung dieser Geschichte bin, die für mich einen deutlichen Bezug zu unserem Mittel Ferrum metallicum hat. Es geht in dem Märchen um die Entwicklung eines jungen Königssohnes. Der wilde Mann - der Eisenhans - wurde, nachdem er in den Wäldern des Königreiches sein Unwesen getrieben hatte, in einen Käfig im Schloßhof eingesperrt. Er fordert bei Abwesenheit der Eltern den Königssohn auf, ihn zu befreien. Der Schlüssel zur Befreiung liegt, wo sollte es auch anders sein, unter dem Kopfkissen der Mutter - der Königin (Sepia).

Die Freundin eines jungen Mannes, der lange Zeit mit Sepia behandelt wurde, erzählte mir einen Traum, der einen direkten Bezug zu diesem Märchen hat. Sie träumte, daß ihr Freund von seiner Mutter einen Schlüssel bekommt. Er steht auf einer Brücke und wirft diesen Schlüssel einem Tintenfisch ins Maul. Darauf ärgert sich dessen Mutter, daß man ihm nichts anvertrauen kann. Der Freund wird sehr traurig. Er läuft zurück zur Brücke, und der Tintenfisch taucht wieder auf und spuckt den Schlüssel zurück in seine Hände.
Dieser Traum ist ganz unglaublich und wieder einmal ein Beweis, daß das kollektive Unbewußte sich einem öffnet, wenn man selber dafür offen ist. In bezug auf die Partnerschaft der Träumerin zu ihrem sepischen Freund wäre es erst einmal falsch zu behaupten, daß der Freund seinen Animus finden muß und deswegen Sepia als Mittel nicht mehr angesagt ist. Vielleicht fühlt er sich sehr wohl und im Zentrum seiner Kraft. Da der Traum von der Freundin kam, geht es primär um ihr Verhältnis zu ihm. Sie sehnt sich nach einer Entwicklung seiner Kräfte, die nichts mit der Sepia-Thematik zu tun hat (vielleicht aber mit dem Eisenhans). Sie sucht, was vielen Frauen heute fehlt und was ich in einigen Gesprächen mit Frauen bestätigt fand: eine Stärke des Mannes, die aus dem Reich des wilden Mannes, einer archetypischen Urkraft, kommt. Vielleicht müssen aber Frauen auch immer mehr selbst zu diesen bei ihnen unbewußten Kräften vordringen. Ich weiß es nicht!

Bevor ich über die Arzneimittelprüfung berichte, möchte ich noch kurz auf die Beziehung Sepia/Staphisagria beim Mann eingehen und auf die Problematik von Sepia bei Machos.
Nach Sepia zeigte sich bei mir deutlich eine Staphisagria-Ebene. Nach Absprache mit meiner Sepia-Begleiterin, Angie Moewis, der ich an dieser Stelle noch einmal recht herzlich danken möchte, nahm ich dann Staphisagria C30, C200 und C1000. Der Hauptunterschied zwischen beiden Mitteln liegt für mich auf der Gefühlsebene. Staphisagria hat das Zentrum "Unterdrückung der Gefühle" mit dem Kennzeichen, diese gestaute Kraft in die Entwicklung überstarker Bilder von übersteigerter Liebe zu unerreichbaren Menschen zu stecken. Es geht um eine romantische Traumwelt, die nichts mit der Realität zu tun hat. Konstitutionell sind diese Männer alles andere als wehrhaft - es sind Männer, die sich demütigen lassen. Wie schon erwähnt, sind konstitutionelle Sepia-Männer sehr wehrhaft bis sogar kampflustig (Perseus). Sie können aber im Bereich der Gefühle nichts unterdrücken, da zuerst einmal die Entdeckung des Bauches überhaupt ansteht. Mit Sepia wird der Bauch entdeckt, und Staphisagria hilft bei der Auslebung der Bauchqualitäten. Wieder einmal schloß sich ein Kreis, als ich in den "homoöpathischen Einblicken" einen Artikel über Staphisagria las, in dem der Verfasser auf Jürgen Becker hinwies, der einen Zusammenhang zwischen Staphisagria und Perseus herstellte.

Nun zur Problematik von Sepia bei Machos. Man muß sich hier unser Schichtmodell, die Zwiebel, zu Hilfe nehmen. Genauso wie bei einer Sepia-Frau, die unter einer der nächsten Schichten eine Pulsatilla-Hingabe-Ebene hat, muß man sich z.B. einen Merkur-Mann vorstellen, auf den irgendwann Sepia wartet. Eine zu frühe Aktivierung dieser Ebene führt zu dem sogenannten Dampfüberdruck-Phänomen. Ein solcher Mann wäre absolut überfordert mit einem Aufsteigen der unbewußten Anima-Kräfte. Er muß sie ablehnen, um sich zu schützen. So ist dies bei einer Arzneimittelprüfung in der Hahnemann-Schule geschehen. Es kam dort zu dem Prüfungssymptom eines Mannes, der auf Sepia eine große Abneigung gegen schwule Männer bekam. Ganz logisch, denn diese sind erst einmal im Außen die Verkörperung einer starken Anima im Mann.

Als unterstützende Therapie bei Sepia-Menschen empfehle ich Tanzen - Amethyst-Kette - Shiatsu.

Tanzen: vor allem Tänze, die einen in den Bauch bringen, z.B. Afro-Dance.

Amethyst-Kette: Der lila Amethyst (Lila = Sepia-Farbe) ist der Stein des dritten Auges auf der Stirn über den Augen und hilft bei der Introspektion, Meditation und auf dem Weg zu Visionen.

Shiatsu: Beim Shiatsu ist das Hara (der Bauch) das Zentrum allen Handelns. Shiatsu ist Bauch-Körperarbeit.

Was ich zum Thema "das Leben des Tintenfisches" noch ergänzen möchte, sind die folgenden neuen Erkenntnisse: Das Sepia-Weibchen kümmert sich sehr wohl nach Ablegen der Eier um ihre Brut. Dies geht sogar soweit, daß sie ihre Brutstätte überhaupt nicht verläßt und ihre Eiergelege ständig umspült, so daß sich keine Algen absetzen können. Nach dem Schlüpfen der Brut stirbt schließlich die Sepia aufgrund von monatelangem Nahrungsmangel an Unterernährung (Ignatia). Sie opfert praktisch ihr Leben für ihre Nachkommenschaft.

Ich möchte noch einmal allen Männern, die an sich arbeiten möchten, das Buch "Eisenhans" (8) und außerdem "Homosexualität im Mann" (3) empfehlen (bei letzterem werden die Beziehung und neue Lernmuster zwischen Heteros und Schwulen behandelt)! Für alle Therapeuten und Therapeutinnen sind diese Bücher Grundlektüre.

Arzneimittelprüfung:

Prüfer 1 (C30):
Verstärkte Sensibilität für Emotionales beim Musikhören. Verminderung der Leistungsbereitschaft. Angst vor Verlust der Kunst/Kitsch-Kriterien. Angst vor Schutzverlust und gleichzeitig emotionale Hingabe bei Auseinandersetzungen. In Beziehung mit seiner Freundin weniger Angst, seine Grenze bzw. Kontrolle aufzugeben. Insgesamt weicher, offener, weiblicher, ohne Verlust der "Männersachen". Angst vor Beeinflussung, die nicht aus ihm selber kommt. Glücklich in Beziehung - Flattern im Bauch (eventuell Verliebtheit). Will den Dingen auf den Grund gehen (neue Methode: mehr mit Gefühl und weniger mit Kopf). Ist jetzt mehr in den Dingen drin und nicht mehr daneben. Braucht weniger Anerkennung. Zugang zu den Emotionen ganz anders - Kontrolle nicht mehr nötig.

Prüfer 2 (C30, C200, C1000):
Anfangs große Unzufriedenheit und viel Streß mit seiner Freundin (er schreit sie zum ersten Mal an). Es ging um Grundsätzliches in der Beziehung. Es wurden aber trotz der harten Auseinandersetzung die Punkte klar, um die es ging und neue wichtige Impulse gesetzt. Innerhalb seines Architektur-Studiums stieß er auf die Grabeskirche in Jerusalem und beschäftigte sich eingehend mit deren Geschichte. Ganz besonders faszinierte ihn das ausgeprägte unterirdische Gangsystem dieser Kirche.
Träume:
Wiederholt von U-Bahnschächten und unterirdischen Tunneln (Unterbewußtes), durch die er sich zwängen muß, und wo er immer wieder auf größere und kleinere Räume stößt.
Insgesamt bekommt er neue Impulse, privat und beruflich.

Prüfer 3 (C30, C200):
Fühlt sich anfangs sehr träge. Dann Steigerung des Selbstvertrauens und große Zuversichtlichkeit. Er ist sehr müde und hat intensive Tagträume, die er sonst nicht so kennt.
Träume:
1.Erotische Träume
2.Traum von einer fremden Welt - einer fremden Stadt ohne Autos - einer leeren Stadt.
3.Geht mit seiner Schwester ins Freibad. Dort entwickelt sich ein Krimi. Es kommt zu einer Verfolgungsjagd und am Ende schießt seine eigene Freundin auf ihn. Sie kann ihn aber nicht verletzen.
4.Der schönste Traum seines Lebens. Ein Wunsch, den er schon abgeschrieben hat, geht im Traum in Erfüllung (er will aber nicht darüber sprechen).
Er fängt zu dieser Zeit an, sich mit seiner Schwester, die eine wichtige Rolle in seiner Kindheit spielte, über ihre Beziehung auseinanderzusetzen.

Prüfer 4 (C30, C200, C1000):
Optimale, sehr sensitive Prüfungsperson. Gefühl wie unter Drogen. Er fühlt sich am ganzen Körper weich und warm. Er hat ein großes Bedürfnis nach Umarmung und Zärtlichkeit. Er spürt eine intensive Bewußtseinsveränderung. Er hat keinen Hunger.
Träume (C30):
1. Von Wasser und großen Fischen, vor denen er Respekt hat.
2. Träume von Gewalt und Erotik.
3. Mit Schlauchboot auf dem Meer. Große Wale umkreisen das Boot. Er hat das Gefühl, als ob die Wale warten. Es ist ihm dabei unheimlich.
4. Er trifft seine große Jugendliebe und unterhält sich mit ihr.
Während dieser ersten Phase fühlt er sich wie in einem Reinigungsprozeß. Er hat keinen Hunger und schwitzt viel. Er arbeitet mit Computern und kann sich schlecht auf abstrakte, logische Arbeiten konzentrieren. Er hat die ganze Zeit ein erotisches Hautgefühl. Er fühlt sich seelisch sehr ausgeglichen und hat ein großes Schlafbedürfnis (Fast alle Prüfer hatten dieses auffallend gesteigerte Schlafbedürfnis - als ob sich das Unbewußte mehr Raum schaffen wollte, um über die Träume zu arbeiten.).
Träume (C200):
5. Er liegt im Halbschlaf im Bett. Er hat das Gefühl, als ob er in einem großen, unterirdischen Raum liegen würde. Er spürt die Anwesenheit einer unheimlichen Macht. Plötzlich springt blitzschnell ein schwarzes Wesen durch ihn hindurch. Er ist sehr erschrocken und sofort wach.
Während der zweiten Phase (Sepia 200) besucht er seine Eltern. Er hat eine Katzenallergie, die bei seinen Besuchen ein schwieriges Thema sind, da die Eltern drei Katzen besitzen. Jeder Besuch führte vom ersten bis zum letzten Tag zu schweren Allergieausbrüchen. Diese Mal setzte die Allergie erst am vierten Tag ein, aber sehr heftig. Er träumte in dieser Nacht nur von Gewalt. Er mußte gegen grausame Gegner kämpfen, die sich immer wieder erneuerten. Am nächsten Tag wurde die Allergie sehr heftig. In der zweiten Nacht wurden die Träume immer brutaler, bis er zum Schluß so wütend wurde, daß er seine Gegner endgültig vernichtete. Am nächsten Morgen war die Allergie verschwunden und kehrte bis zum Ende seines Besuches nicht wieder
Träume (C1000):
6. Phallische Träume: Er bestaunt ehrfürchtig einen Riesenphallus.
7. Traum von der Kindheit. Seine Cousine, die viel älter ist als er, mißbraucht ihn sexuell.
(Auf diesen Traum hin wird ihm bewußt, daß er im Alter von sechs Jahren von seiner elfjährigen Cousine sexuell mißbraucht wurde. Er erinnert sich daran, daß er in der Pubertät oft träumte,daß ihn Frauen fesseln und mit ihm schlafen.)
8. Er trifft seine Cousine. Sie weint, und er nimmt sie in seine Arme. Sie schlafen miteinander. Er erlebt den Traum sehr harmonisch - er vergibt ihr.
9. Viele Träume über die Kindheit. Vor allem spielt der Vater dabei eine große Rolle, zu dem er nie eine tiefere Beziehung hatte.
10. Er liegt nackt im Bett. Zuerst kommt ein Kaninchen zum Kuscheln und schließlich viele Ratten. Er bekommt Panik.
Er setzt sich in dieser Phase mit seiner Kindheit auseinander. Er ist mit drei Frauen aufgewachsen, die sich immer gegen ihn verbündet haben. Er reagierte darauf mit Rückzug, der ihn heute noch stark prägt. Er fühlt sich seit Sepia zufriedener und gelassener. Er ruht viel mehr in seinem Mittelpunkt. Er geht liebevoller und gelassener an die Dinge heran. Er fühlt sich an den Wurzeln seiner Thematik. Es ist, als ob er vorher halb gewesen ist und jetzt ganz.

Prüfer 5 (C30):
Träume:
1. Er fährt in einem Aufzug, und plötzlich rast der Aufzug nach unten. Er schlägt auf dem Boden auf, aber er bleibt unverletzt. Es öffnet sich die Türe, und der Hausmeister beschwert sich. Es gibt viele Gänge, die ihn an die Uni erinnern.
2. Er befindet sich in einer kalten, verlassenen Stadt. Er kommt zu einem verfallenen Fabrikgebäude. Er findet in dem Gebäude einen Raum, der sich vor ihm öffnet. Hier ist es sehr warm und angenehm. viele unterschiedliche Menschen, die er kennt und die sich sonst nicht verstehen, unterhalten sich in einer harmonischen Atmosphäre.
Vor Sepia hatte er immer Probleme mit seiner Freundin. Er war ständig eifersüchtig und mußte immer an ihr herumkritisieren. Er wollte alles mit ihr gemeinsam machen. Mit Sepia kam es zum Rollenwechsel. Jetzt ist seine Freundin ständig auf ihn eifersüchtig und kritisiert ihn. Er hat nach einem Jahr wieder das Bedürfnis, sich auch eigene Bereiche zu schaffen, die er nicht mit ihr teilt.

Peter Krauss, Heilpraktiker
Gneisenaustr. 16, 1000 Berlin 61

 

:- Verletzung der Würde (Stichwort Vergewaltigung)- Probleme mit dem Bauch (Kopffüßler)- Unnahbarkeit (strahlt diese aus sowie große Würde)- Matriarchat (Anima-Mittel)- Pferde (tauchen sehr oft in Träumen und Gesprächen auf;in letzter Zeit auch der Dreizack)- die unzufriedene Mutter und Hausfrau (kann sich nicht verwirklichen, sondern muß sich aufopfern)

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