Die erste Begegnung

 

Katja, 34, ist Innenarchitektin, wendete sich an uns, weil ein immer wiederkehrender Traum ihr große Rätsel aufgab. Sie träumte, dass sie sich in einer Höhle befand und eine rätselhafte Frau sie dort aufsuchte und ihr Botschaften vermitteln wollte. Wir luden Tanja zu einer Sitzung nach Tremmen ein. Mit Hilfe der Emotionalkörpertherapie (EKT) zu dem Ort des wiederkehrenden Traums im wachen Zustand zu dem Ort des wiederkehrenden Traum zurückzukehren.

Sitzung:

Begleiter: Versuche nochmal zurückzugehen in die Bilder deines Traums. 

Katja:

Ich komme da nicht gleich hin. Noch bin ich gebunden. Es ist als würde ich mich auf einer Säule befinden. Es ist die Säule meines Lebens. Ich tanze auf dieser Säule. Den Tanz meines Lebens. 

Begleiter: Kannst du irgendwo die Höhle aus deinem Traum erkennen? 

Katja: Warte mal kurz. Ich kann sie erkennen, aber weiter weg. Es ist nämlich so: Meine Säule des Lebens, auf der ich stehe, scheint der Mittelpunkt zu sein, also genau die Mitte einer uralten Waage. Das sieht jetzt so ähnlich aus wie die Waage der Justitia aus schmiedeeisernem Material nur dass diese Waage nicht hängt, sondern genau auf meiner Säule des Lebens ihren Mittelpunkt hat. Rechts von mir befindet sich eine der Waagschalen. In dieser Waagschale befindet sich der Ort meines Traums und ich glaube auch die Höhle. Ich konzentriere mich jetzt mal kurz und begebe mich dorthin. Pause... 

Begleiter: Lass dir Zeit und sag mir Bescheid wenn du dort angekommen bist.

Katja: Hm. Tatsächlich. Ich bin mitten in der Höhle. Aber es ist viel heller als in meinem Traum und ich kann viel mehr sehen als sonst. Ich befinde mich in einer Höhle in einem Berg, der muss aus Sandstein sein. Alles hier sieht so aus, wie ockerfarben, der ganze Raum ist gelblich es kommt von ockerfarbenen Wänden. Manche Teile der Höhle sind sogar Terrakotta. Diese Höhle sieht so aus als hätte man sie von Hand gegraben, vermutlich weil dieses Sandgestein nicht so sehr hart ist. An den Wänden befinden sich zahlreiche Regale mit Schriftrollen darauf und einige Blumenvasen oder Amphoren, ich weiß nicht so genau.

Begleiter: Wie fühlt es sich an, an diesem Ort zu sein?

Katja: Gut. Sehr gut. Es ist sehr still hier. Und es ist angenehm warm. Nicht so kalt wie bei mir zuhause, aber auch nicht so heiß wie sonst hier in diesem Land. Ägypten. Ägypten? Ich bin mir nicht sicher, aber es könnte Ägypten sein. Es ist jedenfalls nicht so sehr heiß hier drin, es ist angenehm.

Begleiter: Nimmst du noch mehr wahr? Ist da vielleicht noch jemand?

Katja: Oh, das hatte ich ja ganz übersehen. Eine uralte Frau. Sie muss unglaublich alt sein.

Begleiter: Möchtest du die Frau begrüßen?

Katja: Ja, das will ich. Alte Frau, ich grüße dich. Pause.

Sie nimmt mich tatsächlich wahr. Und mir ist so, als würde sie mich schon lange kennen. Wie kommt das denn? Gehöre ich vielleicht hier schon zum Inventar?  Sei gegrüßt mein Kind, sagt sie zu mir. Was vermag ich heute für dich zu tun?

Katja grübelt erst mal nach, braucht Zeit zum Nachdenken.

Ich frage mich gerade, worum ich sie in der Vergangenheit vielleicht schon gebeten haben könnte. In diesem Moment weiß ich es einfach nicht. Worum könnte ich sie nur bitten?

Begleiter: Schau doch mal, ob es eine Frage gibt, die du in diesem Moment auf dem Herzen hast.

Katja: Ich nehme viele Fragen in meinem Herzen wahr. Aber keine davon scheint mir wichtig genug, um sie hier und jetzt stellen zu wollen.

Begleiter: Nach welcher Frage ist dir denn?

Katja: Sind wir uns früher schon begegnet? Pause. Die alte Frau spricht: Ja, wir sind uns früher schon begegnet und begegnen uns jetzt im Frühjahr. Es gab eine Zeit, da verbrachtest du viele, viele Tage und Wochen mit mir in dieser Höhle, damit wir beide zusammen den Schatz dieser Höhle bewahren können.

Jetzt frage ich mich natürlich, was für einen Schatz. Meint sie vielleicht die ganzen Schriftrollen und die Blumenvasen? Pause. Ja, scheint so zu sein. Wir bewachen irgendwie, das was geschrieben steht. Das scheint unser Job zu sein und ich selbst befinde mich sozusagen in Ausbildung bei der alten Dame und lerne dabei von ihr. Alles was ich lerne, macht mich auf eine merkwürdige Seite zutiefst glücklich, es gibt nichts, absolut nichts, was ich vermissen würde. Am allerschönsten, am allerallerschönsten aber ist es, wenn die alte Dame mir aus den geschriebenen Geheimnissen der Rollen vorliest. Dann kann ich mich fast selbst nicht mehr fühlen. Ich fühle dann nur noch reines Glück. Das ist unbeschreiblich. Ich glaube, soviel Glück kann man im normalen Leben gar nicht empfinden.

Gleichzeitig merke ich jetzt, dass ein Teil von mir sich aber immer nach genau diesem Glück gesehnt hat. Diese Sehnsucht trage ich in mir solange ich denken kann und sie fühlt sich an, wie ein kleiner aber immerwährender tiefer Schmerz in mir.

Tränen der Rührung laufen Katja übers Gesicht.

Wir lassen Katja ausreichend Zeit, um diesen Zustand zu genießen. Wann immer sie in Zukunft diesen kleinen Schmerz in ihrem Leben begegnet wird sie die Möglichkeit haben, in diese Situation zurückzukehren und ihn in einen Teil ihres Lebensglücks zu erheben.

Begleiter: Präge dir diesen Ort und dieses Gefühl gut ein, damit du jeder Zeit, wenn du es möchtest, zu ihm zurückkehren kannst.

Was glaubst du, wozu es gut ist, oder welchen Sinn es haben mag, dass du diese Sehnsucht in dir trägst?

Katja: Ich kann das jetzt sehen. Es scheint, als hätte ich tatsächlich mein späteres Leben in diesen Höhlen verbracht mit meinen geliebten Schriftrollen und ich war stolz, die Hüterin der wahren Worte zu sein. Wann immer ich es wünschte, konnte ich in den Rollen lesen und ich wurde niemals müde, sie immer wieder zu lesen, obwohl ich die Hälfte schon auswendig aufsagen kann. Es ist was anderes, die Worte zu wissen als sie zu lesen. Denn in die Aufzeichnungen der wahren Worte scheinen kleine Zauber eingewebt zu sein. Nichts kann so stark sein wie die Kraft eines geschriebenen und dann gelesenen wahren Wortes.

Ich bewachte die Höhle bis ans Ende meiner Tage. Und wie die alte Dame es zuvor mit mir getan hatte, wurde mir am Ende die Ehre zuteil, ein anderes kleines Mädchen in die Geheimnisse einer Hüterin einzuweihen.

Doch bevor ich diese Welt verließ, spürte ich einen kleinen Schmerz in mir. Eine kleine aber tiefe und beständige Sehnsucht in mir. All die Jahre hindurch hatte ich mich gefragt, ob es den Menschen da draußen außerhalb meiner Höhle ebenso glücklich machen würde, die wahren Worte zu lesen wie mich selbst.

Ich weiß nicht, ob das jetzt erlaubt ist oder nicht, aber wenn ich dieser Sehnsucht folge, dann nehme ich einen Wunsch mit in die andere Ebene. Es ist der Wunsch zu einer anderen Zeit an einem anderen Ort eine Sprecherin dieser wahren Worte sein zu dürfen. Wenn ich diesen Wunsch mit hinübernehme, dann werde ich diese kleine Höhle verlassen dürfen ohne Schmerz. Dann verlasse ich sie in dem Gefühl höchsten und reinsten Glücks. Pause. In diesem Moment, wo ich das sage, fühle ich mich sehr leicht. Das ist wie eine Erlösung. Ich löse mich von allem. Und ich gehe dahin. Ich entferne mich von allem und kann schließlich die alte Waage wieder sehen, auf deren rechter Waagschale meine Höhle war. Ich kann auch die Katja von heute sehen in der Mitte der Waagachse, ich sehe an ihr vorbei auf die linke Waagschale und befinde mich dabei auf dem direkten Weg in die Zukunft. In meine eigene Zukunft.

Begleiter: Was kannst du dort sehen oder wahrnehmen?

Katja: Sehen kann ich gar nichts. Meine Zukunft ist hinter Wolken und Schleiern verborgen. Das ist gut und richtig so, denn die Zukunft muss ja erst noch entstehen. Ich verstehe, dass das Aussehen dieser Zukunft und die Form dieser Zukunft davon abhängt, wie ich sie hier und heute in meinem jetzigen Leben gestalte. Oder gestalten werde. Ich betrachte diese Wolkenformation in dem tiefen Wissen, dass sie sich später noch zum Guten und Richtigen formen wird. Mit der Erinnerung an das reine Glück in der alten Höhle und dem Wunsch und der Sehnsucht in mir, das Wissen, dessen Hüterin ich einst war, für die Menschen aussprechen lernen zu dürfen, ist es, als würde diese Zukunft hinter den Wolkenvorhängen anfangen aus sich selbst heraus zu leuchten. Das ist das wundervollste Leuchten, was ich je gesehen habe und vor allem gefühlt. Es ist das Gefühl reinsten Glücks. Mehr soll und will ich nicht wissen.

Beide Erfahrungen, die in der alten Höhle als Hüterin des wahren Wortes und die Erfahrung in der Zukunft mit dem tiefen Wissen in mir einst Sprecherin zu sein, sorgt für eine tiefste Zufriedenheit, für mich in der Gegenwart.

In der Gegenwart stehe ich auf der Achse dieser Waage. Ich kenne den Ursprung meiner Sehnsucht und ich weiß jetzt genau, dass dieser tiefe kleine Schmerz in mir nichts weiter ist als mein Versprechen, mein höchstes Glück mit den Menschen in der Zukunft zu teilen.

Vergangenheit und Zukunft ? beide vereinen sich jetzt in der Gegenwart und das ist nicht anstrengend, es ist einfach so. Ich brauche dafür nicht zu kämpfen. Alles was ich dafür tun muss ist um meine tiefen Wünsche zu wissen und mein tiefstes Wissen zu wünschen und jetzt wo ich das sage, fängt die große Waage an, sich um ihre eigene Achse zu drehen. Ich, Katja, ich stehe auf dieser Achse mittendrauf und drehe mich mit. Ähm, ich frage mich gerade, ob mir vielleicht schlecht wird, wenn sich hier alles so weiter dreht.

Begleiter: Möchtest du eine Pause machen?

Katja: Nein, auf keinen Fall.

Begleiter: Dann sag doch mal, Drehung, ich grüße dich.

Katja: Drehung, ich grüße dich. Danke, dass du dich  mir zeigst. Pause.

Mein Gott, wie blöd war ich denn? Von dieser Drehung wird mir niemals übel werden, denn sie ist die Bewegung des Lebens. Und das ist ja auch so. Die Erde dreht sich ja auch. Und eigentlich dreht sich ja alles. Aber keinem Menschen wäre je davon schlecht geworden. Es ist die Bewegung des Lebens. Ich kann das jetzt zulassen. Ich lass mich gerne darauf ein, ich sehe zu, wie die große Waage sich kraftvoll um sich selbst dreht und dadurch mich selbst auf ihren Mittelpunkt leben lässt. Wo sich eben noch die Waagschale befand, aus meinen Erfahrungen aus der Vergangenheit befindet sich im nächsten Moment meine Zukunft und im nächsten Moment wieder meine Vergangenheit. Durch die Rotation werden sie zu eins. Und ich verstehe, dass ich persönlich nichts dazu beitragen muss, dass die Wünsche und Sehnsüchte der Vergangenheit sich in der Zukunft manifestieren. Das geht von selbst.

Beide Waagschalen treffen sich in ihrem Bestreben in der Mitte, wo mein Leben ist. Darauf kann ich mich jetzt einlassen. Ich sehe mich in meinem Körper auf dieser Achse stehen, der sich verändert, seitdem die Rotation von Vergangenheit und Zukunft um mich herum begonnen hat. Ich bin ein Zusammenspiel aus beidem. Ich kann das jetzt annehmen, das gibt mir Kraft und eine ruhige Gewissheit Katja lächelt

Pause. Ich verwandle mich, ich bin jetzt nicht mehr der Körper, der sich um sich selbst dreht, denn durch die Geschwindigkeit der Rotation entsteht das Bild einer wunderschönen Blüte. Ich bin diese Blüte. Diese Blüte braucht sich nicht mehr zu drehen. Sie steht still und sie wächst, gespeist von der Bewegung des Lebens. Aus der Sicht dieser Blüte ist nichts, absolut gar nichts in diesem Leben mehr anstrengend für mich. Ich weiß, wenn ich nur um meine Wünsche weiß, dann werde ich blühen.

Ich weiß jetzt, ich bin eine Blüte und ich muss nichts weiter tun in meinem Leben als einfach nur zu blühen. Pause. Das ist ein schönes Bild. Es ist wichtig für mich. Genauso möchte ich es mitnehmen in mein wirkliches Leben, in meinen Alltag.

Ich möchte jetzt wachwerden.

Wir lassen Katja einige Zeit alleine, damit sie in Ruhe und für sich wachwerden kann.

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