Historie

Vermutlich hat es die Wochenbettdepression schon immer gegeben in mehr oder weniger schwerer Ausprägung. Vermutlich hat sie heute zugenommen, unterstützt doch einen Östrogen-Überhang, der automatisch einen Progesteronmangel impliziert. Obwohl längst bewiesen ist, wie gefährlich Östrogendominanz für den Organismus ist, werden weltweit immer noch Östrogene hergestellt und verschrieben. Mittlerweile finden wir sie auch in unseren Nahrungsketten.

Als das Kinderkriegen noch reine Frauensache war, waren Mutter und Kind von den Frauen aus ihrer Sippe so gut versorgt, so dass alleine die Fürsorge und Entlastung den Verlauf einer Wochenbettdepression lindern konnte. Ich erinnere mich da gerne an einen regelrechten Gefühlsausbruch meiner über 80jährigen Schwiegermutter, als bei einer Familienzusammenkunft das Thema aus irgend einem Grund dahin führte, dass Frauen früher ihre Kinder auf dem Feld bekommen hätten. Meine sonst sehr moderate Schwiegermutter plusterte sich sichtlich auf und fragte zornig, wer denn dieses Ammenmärchen heute noch glauben würde, wenn er im Vollbesitz seiner geistigen Kräft wäre.

Auch früher, so sagte sie, wären die Frauen verblutet. Auch früher hätten sie solch eine körperliche Anstrengung nicht mal neben bei verkraftet. Im Gegenteil, im Gegensatz zu den heutigen "dummen Dingern" wusste man damals noch um die Wichtigkeit des Wochenbetts, um nicht an Infektionen zu erkranken, um sich zu erholen, um wieder zu Kräften zu kommen. Damals, so sagte sie erhitzt, hätte sich die Familie noch um die junge Mutter gekümmert, es wäre selbstverständlich gewesen.

Ich habe genau zugehört. Und in den nächsten Jahren, während ich mich immer intensiver mit der Wochenbettdepression auseinander setzte, fiel mir diese Anekdote immer wieder ein.

Es hatte viel gutes, das Gebären in weiblichen Händen zu lassen. Denn als das nicht mehr so war, stieg die Zahl an Frauen, die im Wochenbett verstarben, drastisch an. Und damit auch die Zahl der Säuglingssterblichkeit. Ein Arzt begriff schließlich, warum das so war: Mittlerweile gebährten die Frauen in Krankenhäusern und die begleitenden Ärzte wechselten nicht selten vom Leichenschauhaus direkt in die Entbindungsstationen. Verhehrend waren die Auswirkungen für die Frauen. Erst als durchgesetzt werden konnte, dass die Ärzte sich vor einem Kontakt mit Gebährenden die Hände zu desinfizieren hatten, hatte diese große Leid ein Ende.

Später, als Frauen von der Entbindungsklinik direkt nach Hause kamen, ohne die Versorgung aus ihrer Sippe, suchten immer mehr Frauen Hilfe bei ihren Ärzten. Eine Wochenbett-Depression taucht nur bei Frauen auf. Männer und Kinder können von ihr nicht betroffen sein. Trotzdem behandelte man die Frauen genaus so, wie alle depressiven Menschen. Niemand suchte nach einer wirklichen Ursache, doch viele dieser Frauen waren weder in ihrer Vergangenheit noch in ihrer Schwangerschaft depressiv gewesen. Im Gegenteil: eine Studie an über 500 Frauen zeigte, dass gerade die an der Wochenbettdepression erkrankten Frauen in den letzten zwei Dritteln ihrer Schwangerschaft ausgesprochen  glücklich, ja fast euphorisch waren. Auch hatte die Tatsache, dass es sich um ein ausgesprochenes Wunschkind oder nicht gehandelt hätte, keinen Einfluss auf das spätere Auftreten der Erkrankung gehabt.

Es ist einigen wenigen engagierten und aufmerksamen Ärzten und Forschern zu verdanken, dass er Grund dafür ausgesprochen häufig in einem Progesteronmangel zu finden ist.

Natürlich müssen und sollen auch emotionale und familiäre Gründe hier nicht in ihrer Wichtigkeit angezweifelt werden. Wenn es aber so ist, dass unsere Gefühle unsere Hormone beeinflussen, so kommen wir auch nicht  umhin, den Umkehrschluß zu ziehen, und wenn denn dann das körperidentische Progesteron eine einfache gefahrlose und sofortige Hilfe ist, dann sind wir gut beraten, um sie zu wissen.

 

Heike Wischer, August 2009

 

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