" Jedes neugeborene Kind umgibt ein Kokon, in den die Mutter sich mit hinein begibt "

 

Dem Babykokon begegneten wir erstmalig bewusst wir bei der Geburt von Heikes jüngster Tochter.

Eine Begegnung so wahr- und doch so unglaublich, dass wir zunächst nicht wagten, öffentlich darüber zu sprechen.

Auf dem ersten Kinderwunschkongress 2005 in Würzburg aber erzählte uns Gowri Motha, dass einige ihrer Patientinnen unterhalb der Geburt von einem "Cocoon" berichteten- einer Art Ei, das sich wie eine Schutzhülle um ihr Kind befände.

Sollte der Kokon "international "sein? Oder, nahmen womöglilch überall die Mütter etwas ähnliches wahr?

Wir waren fasziniert von diesem Thema. Gleichzeitig wagten wir noch nicht, damit voran zu gehen. Inzwischen warteten ja an jeder Ecke unsere hauseigenen Kritiker auf logische Lücken unserer Arbeit. Wie bitte hätten sie wohl auf den Babykokon reagiert?

Heike war viel näher an allen Müttern, als ich.

Und sie fand einen Weg, die Mütter zum Kokon zu befragen.

Die E-Mails überraschten uns. Überall gab es ähnliche Wahrnehmungen. Nicht etwa, dass nun eine jede Gebärende von einem Kokon zu berichten wusste, so war das nicht. Aber es waren doch viele. und die Tatsache, dass ihre Berichte ähnlich waren, aber nicht gleich, verifizierte deren Berichte.

Heike liebte den Babykokon. Und sie hoffte, eines Tages damit in die Öffentlichkeit gehen zu können, ohne völlig verrissen zu werden.

Im Grunde wollte sie warten, bis die Zeit reif dafür ist.

Vermutlich müssen wir auch noch warten.

Aber das, was sie bereits veröffentlicht hat, mag anderen Müttern,  die diesen Schutz um Mutter und Kind auf welche Weise auch immer, wahrnehmen, ein wenig Mut machen und sie bestärken.

 

Heike würde ihnen wohl sagen:

"Wir müssen es nicht verstehen. Wir fühlen es doch!".

 

Biggi, Januar 2010

 

Ihr lieben Frauen,

ich hoffe, ich nerve Euch nicht, aber ich muss meinen uralten Text
einfach mal wieder hier rein kopieren, weil ich ihn gerade beim
googleln gefunden habe und weil ich auch hoffe, dass neue
Schwangere hier mitlesen (die sich ruhig mal trauen dürften, sich
auch mal zu melden :) ) und weil ich den Text selber immer noch
so schön finde, als hätte ich ihn gar nicht selbst geschrieben.

Also, verzeiht die dauernde Wiederholung. Ich verspreche, ich lass
mir demnächst mal einen neuen Text einfallen .
Lieber Gruß
Heike


Los gehts!


"Der Babykokon"
Author HeikeW
Author Info Mitglied seit 23rd Feb 2005
783 Beiträge
Date Tue 03-Jan-06 07:16 PM
Message





Hallo Ihr Lieben,

vor einigen Monaten hatte ich schon einmal etwas über den
Baby-Kokon geschrieben. Seit dem hat er mich nicht mehr
losgelassen. Ich habe ihn auf den Seminaren vorgestellt,
auch in den Kinderwunschseminaren, denn auch da gehört er
hin. Kinderwunschfrauen sind werdende Mütter und alle Mütter
sollten ihn wieder entdecken.

Ich möchte außerdem auf dem nächsten Mütter-Seminar mit den
Kokon arbeiten. Wie er sich anfühlt, was er für Unterstützung
gibt und warum wir ihn vergessen haben.

Das Wort Baby-Konkon klingt lustig und anrührig. Das ist er ja
auch, aber dahinter verbirgt sich ja noch viel mehr.

Genau genommen scheint er eine emotionale Sicherheits-Instanz
zu sein, so wie auf körperlicher Ebene alle Funktionen in Richtung
Ernährung des Kindes laufen. Die Milch bildet sich und Mama wird
gefüttert mit Hormonen, die ihr die anstrengende Zeit erleichtern
sollen.

Ich habe mich lange gefragt, wie das sein kann, das Mütter
nach der Geburt des Kindes in einen Zustand geraten, der mit
"leichter Verwirrtheit, Weinerlichkeit und gesteigerter
Vergesslichkeit" gut zu vergleichen ist.

Nun gibt es ja reichlich Erklärungen dafür.
Hormonelle Umstellung, Einstellung auf ein neues Leben,
usw. usf.

Befriedigt hat mich das nie, denn ich habe diesen Zustand drei mal
in meinem Leben in etwa so empfunden:

Einem Film zu folgen, geht nicht. Ich verliere dauernd den
Faden. Und was erzählen die da bloss im Radio - bin ich von einem
anderen Stern. Ich kann Gesprächen nur folgen, wenn eine Person
redet, sind mehrere da, höre ich nur noch Rabarba und schalte irgend
wie ab. Laute Geräusche machen mich wuschig im Kopf und Stress halte
ich in etwa so gut aus, wie eine brennende Kerze direkt neben meiner
Schläfe. Ich bin ausgesprochen empatisch und muss weinen, wenn
Menschen leiden - oder ich das auch nur glaube. Schlechte Nachrichten
verkrafte ich gar nicht. Am besten stelle ich alle Geräte aus.
Ich brauche viel mehr als sonst ein Nest aus Sicherheit um mich
herum. Die Abwesenheit des Vaters verunsichert mich, gerade in den
ersten Tagen und ich träume sogar schlecht, wenn er nicht da ist.

In etwa so war das. Das Ganze liesse sich noch weitaus mehr
beschreiben. Aber vielleicht habt ihr ja Lust, Eure Erlebnisse
zu schildern.



Nun, parallel zu diesem etwas merkwürdigen Zustand kommen alte
Glaubenssätze hoch:

Früher haben die Frauen auf dem Feld entbunden ......
Früher mussten wir auch gleich alles wieder im Griff haben.....
Frauen berichten, sie hätten gleich nach der Geburt die
Fenster geputzt usw. usf.

Also stimmt mit mir etwas nicht!??

Ich habe während der Schwangerschaft mit Lina viel damit
gearbeitet. Wer von Euch Aufstellungen kennt, hat es jetzt etwas
leichter, mir zu folgen.

Ich habe mir selbst Stellvertreter - Rollen verordnet. Ich bin also
in die Stellvertreter-Rolle für ein Baby gegangen und habe mir mal
vorgestellt, wie es sich fühlt, so nach der Geburt.

Und da kamen ganz tolle Aussagen von diesem Baby.
ich habe das dann im Garten mit Biggi weiter betrieben.
Mal sie mal ich wechselten wir in Baby-Positionen und
haben das Baby dann befragt.

ich muss mal kurz pause machen - lina will schmusen

----------------------------------

So, die Maus schläft - also habe ich wieder Zeit.

Wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade den Anfall, nach dem
Vorbild von Anastasia unsere Gemüsegärten zu bestücken und
so verbrachten wir viel Zeit draußen und in den Pausen,
mit Kaffee und weichen Polstern in der Holywoodschaukel
experimentierten wir mit den Kokon. So hatte ich das
bezeichnet, was ich da fühlte.

Wir lernten so eine Art Babymassage. Wie möchte das Baby
angefasst werden und wo liebt es den leichten Druck von
Mamas Händen.

Und wir lernten, wie es sich anfühlt, wenn das Baby das
erste mal an Mamas Brust gelangt. Wie hochsensibel dieser
Moment ist und wie langsam das eigentlich geschehen muss.

Wir haben den Stress empfunden, endlich da zu sein, wo
wir ja hin wollten, aber wie ausgesprochen überwältigend das ist.

Es ist wie eine ständige Angst vorm Fallen und auch Angst vor
körperlicher Verletzung. Laute Geräusche verstärken das.
Auch viele Geräusche auf einmal, denn das können die Babys
kaum noch zuordnen.

Das kam mir dann schon wieder bekannt vor und ich musste an
meine eigenen Verwirrung denken, immer nach der Geburt. Und
dass das wochenlang anhielt.

Wir experimentierten also weiter und ich hatte ja als Schwangere
ein besonderes Interesse daran, ich wollte diesmal noch sicherer
in diese Zeit gehen, meine alten Glaubenssätze endlich aus dem
Kopf bekommen.

So erzählte ich Lina, was ich alles gelernt habe und versprach ihr,
dass die ersten 2 Monate nur uns gehören würden - es sei denn, wir
wollten mehr, aber das würde ich abwarten.

Als dann der Tag der Entbindung kam, achtete ich ganz bewusst darauf,
ihr zu erzählen, was gerade geschieht. Denn auch das hatten wir
von den Babys gelernt: wenn Mama sicher ist, dann ist mir
alles recht. Dann habe ich weniger Angst.

Ich hatte diesmal auch richtig Glück. Meine Hebamme handelte ganz
in meinem Sinne und mischte möglichst nicht ein. Trotzdem war
sie eine wundervolle Unterstützung.

Mit einer letzten Presswehe wurde Lina dann geboren, und da ich,
meine Hände um Michas Hals verschrenkt, auf den Knie hockend,
erst mal nach Luft schnappen musste, vergingen die ersten
Sekunden in einer Art Verharrung. Erst dann suchten meine Augen
das Baby unter mir und als ich sie ansah, da war mir, als wäre sie
geschützt in einem Ballon aus rosa Licht. Und ich dachte: ah, der
Kokon. Es kann auch das Licht gewesen sein, die Sonne verschwand
hinter dem Wald. Aber ich habe es so emfpunden.

Dann kam eine Art akrobatischer Akt, in dem ich mich um
die Nabelschnur herum in einen sitzende Postition bringen musste,
und dann war es endlich so weit, ich konnte nach ihr greifen.

Ich machte das ausgesprochen behutsam, denn mittlerweile protestierte
sie lautstark und so sprach ich leise, dass ich sie jetzt in meine
Arme nehme. Sie war sooo weich.

Ich zog sie auf meinen Bauch und fühlte nur in sie rein.
Sie war wütend und auch etwas verunsichert, es war so hell,
und alles war so fremd.

Und all diese Funktionen, die ihr Körper nun plötzlich übernahm,
bereiteten ihr sichtlich Unbehaben. Sie atmete und weinte und
meckerte und verschluckte sich und wurde wieder wütend.

Die ganze Zeit streichelte ich sie ganz vorsichtig und irgend etwas
in mir ließ die Worte sagen: der kleine Bauch lernt vom großen
Bauch, die kleine Lunge lernt von der großen Lunge und so zog ich
sie etwas höher und machte mit. Ich atmete und ließ meinem Bauch
ganz viel Platz.

So ging das eine ganze lange Weile, bis dann die Hebamme und die
Ärztin die Nachsorge machten und für diesen Moment war Lina bei
Papa, der einfach nur so mit ihr da saß.

Danach war Stille. Alle waren raus und ich saß mit Lina auf dem
frisch gemachten Bett. Micha sass neben uns und draußen war ein
großer, runder, oranger Mond. Der direkt zum Fenster reinschaute.

Ich saß einfach nur ganz still da. Nacht. Mit der nackten Lina
in meinen Armen und es war ein Moment des völligen Glücks. Sie
war wunderschön und sie roch auf diese ganz eigene Weise, wie
Babys riechen. Mir liefen die Tränen über das Gesicht. Ohne, dass
es mich gestört hätte.

Ich baute ganz bewusst diesen Kokon um uns herum. Ich hüllte mich
mit ein in dieses rosa Licht. Ich war bereit, da auch die
nächsten Wochen zu bleiben.

Und plötzlich, ganz unmerklich zunächst, bewegte sie ihren Kopf
und ihre Lippen begannen leichte Bewegungen zu machen und da half
ich ihr Zentimeter für Zentimeter in Richtung Brust. Mit einem
heiden Respekt, denn mir war bewusst, dass das jetzt wichtig war.

An der Brust angekommen ließ sie ihren Mund dort einfach nur
liegen. Sie machte gar nichts mehr und ich hielt die Luft an.

Dann arbeitete sie sich vor. Und schließlich nahm sie die Brustwarze
in den Mund, im Schneckentempo und dann war wieder Pause.

Und ganz plötzlich schaute sie mir in die Augen und begann zu saugen.
Und mir liefen wieder die Tränen. Ich traute mich kaum, mich
zu bewegen.

Unser erster Faden vom Urvertrauen hatte sich gebildet.
Ich hatte das nicht das erste Mal erlebt, aber nie zuvor war mir
so klar geworden, was da gerade passiert.

Urvertrauen aufbauen, das uralte Recht der Kinder auf diese
Momente, ihren Erwartungen, dass es genau so sein würde, einfach
nur entsprechen. Weil es sich so sagenhaft richtig und heilig und
auch zu Tränen rührend anfühlt.

Der Satz:
gehe und vertraue,
erkenne die Natur der Dinge und erfahre dich in ihnen,

bekam plötzlich noch viel mehr Wahrhaftigkeit.

Gehe und vertraue (denn Dein Vertrauen ist berechtigt).


Ach Mädels, ich finde diese Dinge so wichtig. Und das Wissen
darum ist uns so verloren gegangen.

Ich kenne eine Hebamme, die sich nach 12 Jahren Beruf eine
Wöchnerin wünschte, die sich endlich mal langweilt. Sie hatte
mir das erzählt, ca. einen Monat vor der Entbindung von Lina.

Und ich habe dann sehr darauf geachtet, lange Weil zu haben.
Das war wunderbar. Und so wissen so viele Hebammen, wie sich
Besuch und Hektik nach der Geburt auf die Mütter auswirken,
und können doch nicht wirklich erklären, was sie fühlen und warum
sie das so beunruhigt. Noch nicht.


Warum aber ist das so. Und warum ist Mutter so verwirrt nach
der Geburt? Was genau hat sich Mutter-Natur dabei gedacht?

Mir fiel dann folgendes auf (denn in gewisser Weise war ja Lina
auch mein kleines Forschungsprojekt ):


In den Seminaren machen wir oft eine Übung mit den Frauen und
Männern: es sitzen sich paarweise fremde Menschen gegenüber und
fühlen nur in den anderen rein. Das geht sehr gut, denn wir tun
das ja eigentlich dauernd. Nur eben nicht bewusst.

Diejenigen die "scannen" erzählen dann nachher, was sie im anderen
gefühlt haben und oftmals sind das ganz spektakuläre Geschichten,
die die Gescannten sehr gut annehmen können.

Die, die scannen, können durchaus Nervosität, Unruhe und auch
körperliche Symptome "lesen".

Und so fiel es mir wie Schuppen von den Augen:

in dieser so hochsensiblen Lebensphase meiner Kinder hatte ich
sie lediglich eingescannt, in jeder Minute und so sichergestellt, dass
ich ihre Empfindungen und Symptome mit bekomme.

Ihre Unruhe wurde meine, ihre Nervosität wurde meine, ihre
Verwirrtheit wurde meine und so konnte ich sie jederzeit aus
diesen Situtionen herausnehmen und sie in die Ruhe bringen.

Nur, dass ich das bei meinen beiden ersten Kindern nicht wusste.
Bei Lina wusste ich das und es fiel mir sehr leicht, meinen
Impulsen nachzugeben.

Ich hatte unzählige Male vom Urvertrauen gehört, aber erst jetzt
wurde mir klar, was damit gemeint ist.

Zug um Zug wochenlang im Kokon mit dem Baby.

Das verrückte ist, sie sind anfangs noch geschützt in diesem
Kokon. Was wir Gott oder Licht oder Liebe nennen, ist da noch
mit drin. Das war mein Gefühl.

Ich habe experimentiert mit diesem Kokon.
Wie weit reicht er, wann bin ich drin, wann draußen.
Es war ein schönes Experiment, weil ich eben wusste, was da
passiert. Ich war nicht mehr Opfer, sondern Täter.


Nach ca. 3 Monaten war es dann vorbei. Der Kokon erweiterte sich
um ein vielfaches und die unsichtbare Nabelschnur dehnte sich
weiter aus. Ich konnte wieder Filme sehen und musste auch keine
Angst mehr vor den Nachrichten haben.

Es waren dann andere Dinge, die ich erleben durfte.

Manchmal sind Babys untröstlich, weil wir im Alltag nicht
erkannt haben, dass ihr erträgliches Limit an Reizen bereits
erreicht war. Mit mehreren Kinder, Telefon und Job passiert
das schon mal

Ich machte dann einfach weiter, was ich in ihr fühlen konnte,
ich ging mit ihr durchs Haus, brabbelnd und schnaufend und
schaukelnd. Und mit vier Monaten wurde sie zunächst ganz still,
und dann begann sie mit zu brabbeln. Da liefen mir wieder
die Tränen, denn das war so eine Art erstes Gespräch von Tochter
zu Mutter.

Sie ließ los, was sie geängstigt hatte. Und ich hatte ein Türchen
gefunden, um zu ihr durchzudringen, wenn sie einfach nur
herzzerreissend untröstlich war.

Ihr alle kennt dieses Baby-Schreien, was jeder Mutter direkt ins
Herz geht.

So Ihr Lieben,
ich muss jetzt eine Pause machen.
Ich würde mich aber so sehr freuen, wenn Ihr mal von Euch
berichtet.

Viele liebe Grüße
Heike

Ihr Lieben,

in der letzten Zeit kommen immmer mehr Mütter auf uns zu, die in der ersten Zeit mit ihrem Baby keine so rosigen Zeiten erleben und sehr darunter leiden.

Und fast immer finden wir dann gemeinsam heraus, dass es ganz oft auch das unvorbereitete Erleben ist, was die Mütter so sehr verunsichert.

Da kursieren ja viele Tipps im Bewusstsein der Menschen, und wie in allen anderen Bereiche auch speichern wir das eine oder andere davon ab. Es fügt sich sozusagen unserem Erfahrungschatz hinzu, auf den wir dann urückgreifen, wenn das Baby geboren ist.

Da haben wir von 4 Stunden-Abständen zwischen den Mahlzeiten gelesen und gehört, davon, dass Babys viel Schlafen, wie wir uns auf das Stillen vorbereiten können, und wie wir unseren Bauch wieder weg bekommen.


Es werden Ernährungstipps gegeben und glückliche Mütter strahlen uns geschminkt und erholt aus den Hochglanzbroschüren von Milupa und Co. an. Satte und zufriedene Babys im Arm.

Die Werbung zeigt uns, wie unser Kind mit der Hilfe von Pampers glücklich und zufrieden schläft, und wie entzückend die Welt ist, wenn das Baby erst da ist.

Da sollen dann die teilweise als traumatisch empfundenen Geburten sofort vergessen sein und auch die Ängste aus der Schwangerschaft sind sofort vergessen.

Auch hören und sehen wir immer wieder, wie frischgebackene Mütter ihren Haushalt schmeissen, vollendete Gastgeberinnen sind und scheinbar wie immer ganz normal schalten und walten. Das Schalten ist schon einmal etwas, was wir dann aber  ganz plötzlich bei uns selbst arg vermissen, wenn das Baby dann endlich da ist.

Denn unser Gehirn scheint da anders zu sein.
Wir nehmen dem Postboten die Post ab und stecken sie anschließénd in die Tiefkühltruhe. Einem Film - und sei es noch so eine alte Kamelle - können wir nicht mehr folgen.


Ständig nah am Wasser gelingt es uns noch nicht einmal, uns mit Essen zu versorgen. Besuch ist anstrengend und äußerst ermüdend.


Nachrichten hören? Völlig ausgeschlossen, die Welt ist zu hart.
Radio hören? Auch nicht so toll. Was die da erzählen, interessiert doch niemanden - oder?

Nach 4 Wochen machen wir uns so langsam Gedanken, ob wir vielleicht mit der Geburt so eine Art Geistige Schwäche entwickelt haben. Oder aber völlig unfähig sind. Anders können wir uns das nicht mehr erklären, was uns da gerade passiert.
Wir sind so völlig neben der Kappe. Das kann eigentlich nicht normal sein.
Anderen Frauen ist das doch auch gelungen!

Warum leiden wir also so sehr darunter, obwohl doch gerade unser sehnlichster Wunsch in Erfüllung ging?

Ich probiere das jetzt mal graphisch.
Lacht nicht, ich habe da ewig dran gepinselt und meine
veralteten Flash-Kenntnisse bemüht.

Hier also das erste Bild:


http://www.forum.frauenworte.de/user_files/16533.jpg

Unser Baby ist in uns gelandet.
Und es ist ganz geschickt, denn es sendet seine Lebensenergie in das Energiefeld der Mama und da kann es so einiges erfahren.


Wie geht die Welt, wie sieht die Mama sie, wie sieht sie  den Papa und wie sehr - oh wie schön - liebt sie ihr Baby. Sie hat auch Ängste - völlig in Ordnung.


Darüber hinaus aber sendet auch Babys Körper über seinen Hormonhaushalt Signale an die Mama. Ich brauche saure Gurken - bitte Heißhunger entwickeln.
Ich muss gerade in den ersten 3 Monaten viel schlafen, bitte müde werden und auch schlafen.


Es emfpängt Signale aber auch von Mama: Oh, den nachbarn konnte ich noch nie leiden, also will auch das Baby ihn nicht gerne haben, und so verstärkt seine Körperchemie Mamas Abneigung, damit es der Mama richtig gut geht, wenn sie
sich als zickende Schwangere mal wieder so richtig daneben benimmt. Papa versteht das alles nicht, aber seine Kumpels schlagen ihm auf die Schulter: "Das ist normal, Frauen sind halt komisch in der Schwangerschaft."

Die können ja nicht wissen, dass das Baby mitfunkt.
Dass es mitmischt.
Und dass Mama und Kind schon im Kokon sind.


Ich bin Du und Du bist ich.

Leider wissen sie auch nicht, wie das für Mama und
Baby ist, wenn sie getrennt werden.

Das sieht dann so aus:

http://www.forum.frauenworte.de/user_files/16534.jpg


Das ist ganz schön einsam.
Nicht wahr?

So eine Einheit plötzlich voneinander getrennt.

Damit müssen beide erst mal klar kommen.
Schön, wenn die Geburt schön war, dann fällt es leichter, weil die Mama fit ist. War das aber nicht so schön, dann müssen beide mit Geduld und Spucke wieder zueinander finden.

Was Mama und Baby aber bereits gelernt haben, ist ihr gegenseitiger Funk. Und der muss überhaupt nicht bewusst stattfinden. Er findet einfach statt.

Und die Natur hilft:

Sie packt kurzerhand beide in einen neuen Kokon.


Gehe, und vertraue.


http://www.forum.frauenworte.de/user_files/16535.jpg


So leicht geht Baby aber nicht, denn im ersten Jahr geht es jeden Schritt mit Mama gemeinsam.
In ihrem gemeinsamen Kokon, der irgendwann dann mal zur verlängersten Nabelschnur wird. Da haben wir sie wieder, die Silberschnur. Nur das sie diesmal in die andere Richtung geht.


Damit die möglichst heil bleibt, bildet der Babykokon die vorrübergehende Zwischenstation.

Mama wird zur Stellvertreterin ihres Babys und empfindet, was Baby empfindet.

Sie wird unruhig, wenn das Baby unruhig wird.

Und sie hat Fluchtgedanken, wenn das Baby diese hat.

Zum Beispiel: weil der ach so feinfühlige Besuch das Kind völlig kirre macht, mit
heititeiti , butschibutschi, ach gib doch mal her.

Und eine völlig unvorbereitete Mutter, die nichts von diesem
wundervollen Kokon weiß,
hält sich für
hysterisch
weinerlich
überempfindlich
rasend
ausrastend
unfähig
blöd


und wenn sie Pech hat, sieht ihr Mann das ganz ähnlich.

Der weiß ja nicht, dass seine Hauptaufgabe in den ersten Monaten
darin liegt, den Abfangjäger zu spielen.

Denn:
Mama und Baby bewohnen das Schlafzimmer, welches niemand  betreten darf,
sie jedoch dürfen jederzeit das Schlafzimmer verlassen, und jederzeit dahin zurückkehren.

Denn in den ersten Wochen sind Mama und Kind noch eins.

Sie fühlen und empfinden gemeinsam.

Und Mama ist die beste Bank für das Baby.

Denn sie versteht.


(Das ist jetzt noch nicht fertig, aber die Kinder rufen,
und ich muss mal ein wenig unterbrechen. bitte ergänzen!
was Eure Erfahrungen betrifft)

Lieber Gruß


Heike, 27.2.2008

 

 

Babykokon, 52. Auflage, Tremmen im Jahre 2030

Was Anfang des 21. Jahrhunderts noch wie ein Märchen klang,
ist heute längst Realität:

In ganz Europa haben sich die Mütterhäuser etabliert. Jede
Gemeinde, jeder Stadteil verfügt über entsprechende
Einrichtungen, in denen werdende Mütter, Gebährende und Mütter
mit Säuglingen und deren Familien rund um die Uhr betreut werden.

Hebammen und Frauen, die ihre Erfahrungen als Mutter weiter
geben wollen, sind hier ganz ihren Fähigkeiten entsprechend
im Einsatz. Viele von Ihnen kümmern sich um die Familien der
frisch entbundenen Frauen, andere arbeiten mit den Müttern
direkt und wieder andere richten Kindergeburtstage aus,
oder arbeiten in den privaten Kindergärten und Schulen, wo
sie Lehrern und Erziehern eine wertvolle Hilfe sind.

Die Kosten dieser Projekte kommen aus verschiedenen Töpfen.

So können die Krankenkassen einen nicht unerheblichen Teil
dazu beisteuern, da Krankenhauskosten durch kostenintensive
Geburtshilfen drastisch gesunken sind. Sie betragen im Vergleich
zu 2003 noch ganze 10 %.

Die Kosten für Haushaltshilfen sind gänzlich entfallen, da die
flächendeckenden Mutterhäuser diesen Bedarf komplett abdecken.

Da nicht wenige Betreuerinnen Großmütter sind und ehrenamtlich
arbeiten, sind die Personalkosten, die von den Gemeinden und
Kommunen getragen werden, wesentlich geringer, als zunächst
angenommen.

Eine weitere große Ersparniss kommt aus dem Bereich der
Altenbetreuung. Durch die neu entstandenen Aufgabenbereiche für
die Senioren hat sich hier eine neue Gesundheit entwickelt, die
erfreulicherweise immer noch ansteigt. Die Kosten in diesem
Bereich sind um ca. 60 % gesunken. Viele ehemaligen Altenheime
sind heute in Mutterhäuser umgewandelt worden. Nur kleine Bereiche
stehen als Seniorenwohnungen zur Verfügung. Pflegefälle werden
in der Regel durch das Personal der Mutterhäuser mitversorgt.

Auffällig ist außerdem, das Schulprobleme, ADHS und ADS, sowie
Entwicklungsstörungen immer mehr aus den Akten der Kinderpsychologen
verschwinden. Heute ist nur noch ein sehr geringer Teil der
Bevölkerung mit diesen Problemen konfrontiert. Auch ist auffällig,
dass die schulischen Anforderungen von den meisten Kindern spielerisch
geleistet werden. Der durchschnittliche IQ lag 2027 schon bei
130, neueste Untersuchungen zeigen auch hier noch einen Anstieg.

Erfreulicherweise sind auch die Krankenkassenkosten in der
Kinderheilkunde wesentlich geringer geworden, so dass der Löwenanteil
der Gewinnausschüttungen in die Mutterhäuser fliesst. Eine gerechte
und faire Umverteilung der Gelder. Auf einer Sitzung in Brüssel
der vereinigten Krankenkassen wurde von einer Senkung der
Beitragssätze abgesehen, dafür wurde ein entsprechender Fond
eingerichtet, der für den weiteren Ausbau der Mütterhäuser
vorgesehen ist.

Über eines sind sich alle einig: geht es den Müttern und den
Kindern gut, so ist ein Zuwachs an Volksgesundheit nicht mehr
zu übersehen. Gleiches gilt für die Qualität des Bildungswesens.
In Europa studiert heute jedes zweite Kind. Kinderarmut ist ein
Begriff des antiquierten 20. Jahrhunderts. Elternschaft wird im
Vergleich zu Studien aus 2010 wieder als bereichernd und
erstrebenswert beurteilt.

Ist das nicht fein?

Lieber Gruß


Heike, 3.5.2007