Ihr Lieben,

seit Wochen bin ich an diesem Thema dran und möchte es jetzt hier auch im Mutterforum veröffentlichen.

Ich beginne mal mit dem Text, den ich für die Mutterseite geschrieben haben:



(Eine ernsthafte und schwere Wochenbettdepression kommt glücklicherweise nicht häufig vor, dennoch ist ihr Anteil rein statistisch gesehen nicht unerheblich. Es gibt Schätzungen, die von 10 - 20 Prozent ausgehen. Die Erhebung dieser Werte ist schwierig, da jeder Arzt vorliegende Symptome unterschiedlich deutet, auch mehr oder weniger über diese ernstzunehmende Erkrankung weiß, und die Frauen auch heute noch sehr ungerne darüber reden.



Eine Wochenbettdepression geht weit über das Maß des Baby-Blues hinaus und kann in ganz seltenen Fällen in einer Wochenbettspsychose enden. Sie tritt oftmals nach der Geburt ein ? egal, wie die Schwangerschaft verlaufen ist, ob die werdende Mutter glücklich und voller Vorfreude war oder auch nicht. Nicht selten erwischt es die Frauen aber auch mit dem Abstillen.



Auch Frauen, die bereits Kinder haben, können daran erkranken. Im Gegensatz zum Baby-Blues, der häufig beim zweiten Kind und erst recht beim Dritten wesentlich leichter verläuft, kann die Wochenbettdepression unvermindert heftig auftreten. Sie tritt auch nicht in bestimmten Gesellschaftsschichten, sondern kommt überall vor. Auch Frauen, die in ihrem ganzen Leben keinerlei depressive Erkrankungen hatten, können betroffen sein.


Psychische Ursachen sind noch relativ wenig erforscht. Ich persönlich glaube, dass es für diese Erkrankung eine familiendynamische Ursache gibt. Ein weites Feld, welches sich hoffentlich in den nächsten Jahren beackern lassen wird.



Bemerkenswert sind aber die Erfahrungen der englischen Gynäkologin, Katharina Dalton, die über 40 Jahre lang Wochenbettdepressionen behandelt hat. Sie hat entdeckt, dass es einen Überschuss an Östrogenen und Progesteronen geben kann, der aufgrund der hormonellen Umstellung entsteht und, wenn er erkannt wird, mit Hormongaben recht schnell behandelt werden kann. Dafür werden per Speichelprobe die Werte ermittelt, nicht aus dem Blutbild, da diese Werte wesentlich ungenauer sind.



Wenn Sie also erfahren müssen, dass sich der Baby-Blues einfach nicht verändert und es Ihnen lange schlecht geht und Sie kein Licht am Ende des Tunnels mehr sehen können, dann zögern Sie nicht, sich helfen zu lassen. Wenn das Leben mit Kind zur Hölle wird, dann sind Hormongaben sicherlich das kleinere Übel und diese müssen keineswegs für immer genommen werden. Sie können jederzeit ausprobieren, ob es Ihnen auch ohne Hormongaben bereits wieder etwas besser geht. Viele Frauen outen sich leider nicht, weil sie Angst davor haben, dass ihnen das Kind weggenommen werden könnte. Wenn Sie solche Ängste in sich tragen, wenden Sie sich an www.schatten-und-licht.de oder an die www.marce-gesellschaft.de , dort finden Sie Menschen, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, Frauen in solch belastenden Situationen so schnell wie möglich zu helfen.


Wenn Sie ein gutes Buch suchen, empfehle ich Ihnen das von Katharina Dalton, ISBN: 3-456-83930-8. Frau Dalton spricht mit Herz und Verstand und aus jahrelanger Erfahrung. Zwar schließt sie psychische Gründe weitestgehend aus, aber an der Seele lässt es sich dann später besser arbeiten, wenn der Dauerbeschuss überschüssiger Hormone weg fällt. Ich denke, dass Hormongaben in schweren und sehr leidvollen Fällen eine wunderbare Notfall-Hilfe darstellen. )



Hier außerdem ein guter Beitrag zu dem Thema:

http://progesteronforum.siteboard.de...m-about92.html



Eine Wochenbettdepression kann bei jeder Frau, unabhängig von ihrer Vorgeschichte auftauchen. Meist tritt sie nach der Geburt oder nach dem Abstillen auf. Der Grund hierfür liegt darin, dass das Hormon Progesteron, welches gerade in der Schwangerschaft sehr hohe Werte aufweist, zu schnell absingt und diese hormonelle Störung zu Depressionen bis hin zu Psychosen mit Wahnvorstellungen, intensiven Ängsten, permanente Weinerlichkeit, Aggressionen und mehr führen kann.



Die Behandlung mit dem körperidentischen Progesteron bringt hier sehr sehr häufig eine schnelle und langanhaltende Besserung bis hin zu völligen Verschwinden der Symptome.



Ist eine Frau nicht sicher, ob sie "nur" einen Baby-Blues hat oder aber doch schon auf dem Wege in eine Erkrankung ist, gibt ein Speicheltest Auskunft. Die Ermittlung des Progesteron-Spiegels MUSS über den Speichel ermittelt werden, da hier ausschließlich aktive Hormone enthalten sind. Im Blut sind neben den aktiven sogeannte inaktive Progesterone, die keinerlei Wirkung mehr haben. Ein Bluttest verfälscht also das Ergebnis.



Begleitend kann eine Therapie helfen, immer dann, wenn Schuldgefühle, Versagensängste und große Verunsicherung bei den betroffenen Müttern bleibt. Nichts ist schlimmer, als mit einem permanenten Gefühl des schlechten Gewissens und des Schmerzes herumzulaufen.


Ich weiß, dass die meisten Frauen sich nicht outen. Noch immer ist das Thema Wochenbettdepression deshalb unterschätzt und wird von den meisten Ärzten völlig falsch eingeschätzt. Die Verniedlichung "Baby-Blues" spricht Bände.



Wenn Ihr Fragen habt oder aber Euch einfach mitteilen möchtet, dann seid Ihr deshalb herzlichst eingeladen, mit auch privat eine Email zu schreiben. Ich persönlich würde es schön finden, wenn wir hier offen zu dem Thema berichten könnten. Ich weiß aber, dass gerade Frauen, die ein Kind verloren haben oder aber sich jahrelang sehnlichst eins gewünscht haben, sich noch viel viel schwerer tun, auf ihre eigenen Probleme hinzuweisen, sich mitzuteilen. Zu groß ist oft auch das Unverständnis der Umwelt für eine solche Erkrankung.



Anderseits könntet Ihr Frauen, die sich aus Scham oder Angst nicht um Hilfe bemühen, helfen, endlich aus ihrer Isolation auszusteigen und sich Hilfe zu suchen.



Offiziell sind 1 bis 2 Frauen von 10 betroffen. Man schätzt jedoch, dass es 3 - 4 Frauen von 10 sind, die sich monatelang herumquälen. Neben dem Problem, dass sie selbst sich nicht trauen, zu reden, kommt oft auch, dass die wenigsten Hausärzte, Gyns und Hebammen ausreichend über das Thema informiert sind. Auch da könnten wir dazu beitragen, dass das Wissen um all dieses Leid und entsprechende Erste-Hilfe-Massnahmen unter das Volk gelangen.



Laut Statistik der leider schon verstorbenen Londoner Gyn, Katharina Dalton, die über 40 Jahre Wochenbettdepressionen und Psychosen behandelt hat, ist der Anteil an Erkrankungen bei Frauen, die ein Kind verloren hatten oder aus der Fertilisation kamen, nicht höher, als bei Frauen, die solche Vorbelastungen nicht hatten. Leider ist der Anteil aber auch nicht niedriger. Auch beschränkt sich die Depression nicht auf das erstgeborene Kind sondern kann auch bei folgenden Kindern jederzeit wieder auftreten. Hier ist eine prohpylaktische Behandlung mit Progesteron eine ungeheure Erleichterung für die betroffenen Frauen, die nach solch einer Behandlung endlich ab dem dritten oder vierten Kind auch mal einen Babykokon erleben durften.



Frau Dalton konnte auch keinen Zusammenhang finden zwischen glücklichen, unglücklichen Schwangerschaften oder aber gutverlaufenen, schlecht verlaufenen Geburten. Ihr war nur aufgefallen, das gerade regelrecht euphorisch schwangere Frauen stärker betroffen sind. Progesteron kann auch euphorisch machen und das plötzliche Absinken der Werte führt dann umso härter zu Symptomen.



Sie berichtet außerdem, dass ihr Klientel aus allen gesellschaftlichen Schichten kommt und auch eine gute häusliche Situation in einer glücklichen Ehe kein Gerant für ein gutes Wochenbett bleibt. Gleichwohl sieht sie auch Ursachen in Stress, Überforderung und dem Alleingelassensein der Frauen. Hier erst einmal durch Hormongaben eine stabilen Zustand erreichen sollte aber das Ziel sein, bevor man an der Psyche arbeitet.



Auch Frau Dalton weist immer wieder auf eine ausgeprägte Mütter-Olympiade-Kultur hin, die außerdem dazu beiträgt, dass Mütter in tiefe Gefühle des Versagens und der Hoffnungslosigkeit stürzen.



Es ist ein weites Feld und ich freue mich auf Beiträge und Emails.

Lieber Gruß


Heike Juni 2008