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16.01.10 08:02

Forschung zum Schutz vor Fehlgeburten schreitet voran

 

Rund 5 % aller Schwangeren erkranken in der zweiten Schwangerschaftshälfte an einer Präklampsie. Die Präklampsie ist eine Schwangerschaftsvergiftung, die sich vielseitig äußern kann. Die bertoffenen Frauen klagen über Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit, Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Fürchtete man früher im Extremfall den Tod von Mutter und Kind durch Krampfanfälle oder Organversagen, konzentriert sich die Forschung heute verstärkt darauf, insbesondere auch die leichten und verdeckten Verlaufsformen zu erkennen.

Seit einigen Jahren ist bekannt, dass mit der Präklampsie ein Ungleichgewicht bestimmter Biomarker einhergeht. Die Plazenta bildet bei den betroffenen Frauen mehr sFlt-1 und weniger PlGF als bei einer gesunden Schwangeren. Durch dieses Ungleichgewicht entsteht der gefährliche Bluthochdruck und mit dem Urin werden Eiweiße ausgeschieden- die Leitsymptome der Präklampsie. 

In einem neuen Test kann nun der Arzt bequem den Quotienten zwischen beiden Proteinen ermitteln und so bereits lange vor Auftreten der ersten Symptome schon das Risiko oder gar Entstehen einer Präklampsie erkennen. Erste Studien, in der Frauen aus verschiedenen Kliniken untersucht wurden kamen zu einem vielversprechenden Ergebnis: 

Insgesamt 351 Frauen wurden untersucht. Davon hatten 280 eine normale Schwangerschaft. Bei 37 Patientinnen war die Präklampsie zwischen der 20. und 34. Schwangerschaft ausgebrochen, bei 34 Patientinnen erst später.  

Der Quotient erwies sich als brauchbarer Marker, denn bei den an Präklampsie erkrankten Frauen lag er bei  354,5,  in der gesunden Kontrollgruppe bei 19,4.Insgesamt erkannte der Test 82 % der erkrankten Frauen. 

Ein Lichtblick in der Schwangerschaftsfrühdiagnostik, die eine Präklampsie bisher über einen Doppler-Ultraschall, der  die Durchblutung der Gebärmutter-Arterie misst, die bei einer Präklampsie reduziert ist. Würde an  jeder werdende Mutter einen solcher Früh- Ultraschall durchgeführt werden, bestünde nach Ansicht der Ärzte die Gefahr einer Verunsicherung. Der Test hingegen könne in die Routine Blutuntersuchungen unauffällig integriert werden. 

An dieser Stelle sollten nun alle Frauen aufatmen können, doch es ist leider noch zu früh zum freuen:  Vorerst soll der Test weiterhin an mehreren Kliniken weiter geprüft werden, damit man in einigen Jahren überlegen kann, in wie weit er überhaupt in die Kontrollroutine der Schwangerenbetreuung integriert werden soll.

Ein anderes Lager der Gynäkologen fordert den Test bald und zudem eine rechtzeitige Anwendung, möglichst schon zwischen der 12. und 14. Schwangerschaftswoche, denn: Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Behandlung einer Präklampsie bessere Erfolgsaussichten hat, wenn die Schwangere schon vor der 16. Schwangerschaftswoche mit der Gabe von Babyaspirin (100 mg) begonnen hatte. 

Und wir Frauen? Was machen wir aus dieser Information?

Werden wir geduldig abwarten, bis der Test in ferner Zeit ?volljährig? ist und allein auf die Straße darf?

Werden wir hoffen, dass unser Gesundheitssystem zum Schutze unserer Kinder unverhofft eine Vernunftbegabung entwickelt? 

Werden wir darauf vertrauen, dass dieser Frühtest von ganz allein und unauffällig auf uns zu kommt und sich selbständig in die Kontrollroutine unserer Gynäkologen einreiht? 

Ich persönlich werde das auf keinen Fall tun.   

Ich werde es handhaben, so wie immer: Ich werde auf mich selbst aufpassen, bei ungewöhnlichen Symptomen nicht locker lassen, ich werde mich auf den Weg machen, um eine Erkenntnis über meinen Zustand zu erhalten, und gegebenenfalls natürlich gerne die vernünftig erscheinenden Verfahren und Heilmittel hierfür aus eigener Tasche bezahlen. 

Wer bitte kann es uns Frauen verübeln, dass wir aus reinem Sicherheitsbedürfnis heraus der guten alten Sitte, in der Schwangerschaft Babyaspirin zu nehmen nicht widerstehen können, wenn doch gleichzeitig die dafür notwendige Diagnostik in den Schubladen unserer Gesundheitsverantwortlichen verstaubt- eingeklemmt zwischen kommerziellen Interessen, Zulassungsbedingungen, Fachdiskussionen und gefährlicher Zurückhaltung wirksamer Präventionsmaßnahmen? 

Niemand.

Denn vermutlich bekommt es ohnehin niemand mit. 

Nachdenklich

Birgit Zart 16.1.2010

 

Studie: An automated method for the determination of the sFlt-1/PIGF ratio in the assessment of preeclampsia.